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16. Tag: Krüger Park
Gegen 7.30 Uhr geht es weiter durch den Park in Richtung Letaba. Wir machen Mittagspause im Satara Camp, das einen etwas langweiligen und lustlosen Eindruck macht. Dies bestätigt auch ein kurzes Gespräch mit einem deutschen Ehepaar, die hier ein paar Tage verbringen (müssen), welche die fehlende Unterhaltung am Abend monieren. Auch das Mittagessen haut mich nicht vom "Hocker" also – nicht empfehlenswert.
Über den Tag hinweg sehen wir u.a. Elefanten, Warzenschweine, Büffel, Giraffen und Nilpferde, aber ich muss sagen, dass man rein für Tierbeobachtungen in den Steppen Ostafrikas besser aufgehoben ist. Hier im Krüger gibt es zu viel Grün, was die Tierbeobachtungen doch einschränkt.
Gegen 16.45 Uhr kommen wir im Letaba – Camp an. Letaba - liegt an einer großen Schleife des Letaba-Flusses.
Hier kann man sich ausgiebig über Elefanten informieren. Im Camp angeschlossenen Elefantenmuseum sind gewaltige Stoßzähne zu sehen und es wird an die berühmtesten Elefanten des Parks erinnert. Die des Elefantenbullen "Shawu" gelten mit 3,17 Meter Länge als die größten, die je im südlichen Afrika gefunden wurden. Das kleine Museum hier, in dem diese Utensilien ausgestellt sind, ist wirklich empfehlenswert. Mir tun die Tiere immer leid, wenn ich die Geschichten lese, wie die eindrucksvollen Dickhäuter umgekommen sind, oft durch Wildererhand. 
Die Betreuung hier ist unglaublich gut. Sofort sind zwei Parkwächter und mindestens fünf Putzfrauen zugegen. Verlässt man die Dusche, stürzt sofort einer dieser Leute rein und putzt alles blank. First Class bei Rotel, wer hätte das gedacht. Und nicht dass man denkt, die hätten gleich die Hand aufgehalten, wie im "Backschischland" Ägypten. Nein, gehört alles zum Service – die Leute sind alle glücklich einen Job zu haben und tun alles dafür, um diesen auch zu behalten. In Deutschland findet man doch fast kein "Schwein" mehr das Toiletten putzt. "Stütze" kassieren ist doch viel lukrativer.
Heute ist wieder Nachtpirsch (rund 19 DM) angesagt. Ein Teil der Gruppe nimmt diese Gelegenheit wahr, selbstverständlich auch Bianca und Nadine. Wir bleiben im Camp und besuchen das von Inge empfohlene Restaurant. Ich muss sagen, von der Atmosphäre her das Beste, trotz allen anderen wunderbaren Stellen, die wir besucht haben. An einer Biegung des Letaba Rivers gelegen; die Sonne geht langsam unter, 5 Kudus trinken unten am Ufer, mehrere Krokodile schwimmen um sie rum, und man sitzt nur wenige Meter von dieser Szene auf der Terrasse des Restaurants beim Sundowner – Afrikafeeling pur, so muss sich Livingston gefühlt haben, wie er Afrika bereist hat.
Im Inneren des gemütlichen Restaurants sind Bilder von berühmten Elefanten angebracht. Wir nehmen ein 8-Gang-Menü ein, sehr reichlich, sehr gut, sehr nette, zuvorkommende Bedienung – Kosten weniger als 20 DM pro Person! Wir sitzen mit fast 10 Leuten noch lange zusammen. Ein wunderschöner Abend. Bei Rotel gab's Suppe, Käse, Brot – selbst dran Schuld.
Bianca und Nadine berichten von ihrer Nachtpirsch, die mehr als erfolgreich war. Auch ein Vorfall, der nicht ohne Brisanz war, ereignete sich. Eine Würgeschlange (ich glaube ne -Steinkobra oder so was) hat sich unters Auto geschlichen und dort um die Achse gewickelt. Vielleicht wollte sie sich ein bisschen aufwärmen. Na ja, jedenfalls ging's nicht weiter trotz Zureden und sonstiger Befreiungsaktionen, also musste der Ranger das Tier runterschneiden, schade.
17. Tag: Krüger Park
Heute Morgen geht es sehr früh raus zur Frühpirsch – 3.00 Uhr aufstehen. Um 4.00 Uhr müssen wir bei den Rangern am Eingang des Camps sein (Kosten rund 20 DM). Wir starten mit offenen Wagen, was schon was ganz anderes ist als im Bus hinter Fenstern zu sitzen. Hier hat man den direkten Kontakt zur Natur, hört und riecht alles – Bianca, Nadine, Ihr habt ja Recht!
Bevor die Fahrt beginnt gibt es noch einige Erklärungen des Rangers – natürlich auf Englisch, was vielen älteren und Ossis nichts nützt. Am wichtigsten sind aber die Leute am Suchscheinwerfer in unserem Wagen, bei jetzt noch völliger Dunkelheit, Silvia und Siegi. Wir fahren kaum aus dem Camp raus und schon läuft uns ein Leopard über den Weg, ganz langsam von der rechten auf die linke Seite. Er lässt sich auch nicht von den Quatschtanten im Auto stören.
Ja das war's, wir haben die "Big Five" voll, und der Leopard ist am schwierigsten zu sehen. Die meisten Afrikaurlauber fahren nach Hause ohne ein solches Erlebnis. "Super eingefädelt Inge, danke an Rotel" – habe ich nach gelungenen Aktionen, zu denen Rotel wirklich nichts konnte, immer zu unserer Reiseführerin gesagt.
Unsere Pirsch geht weiter. Wir fahren in den beginnenden Tag herein, ein unbeschreibliches Erlebnis hier im Urwald, wenn man noch hunderte von Tierstimmen wahrnimmt und die Kühle der Nacht einen durchpustet.
Wir erreichen den "Vogelbeobachtungspunkt" am Letaba-River. Alle aussteigen, wir laufen über einen Pfad, der von mehr als 2 Meter hohen Palisaden gesichert ist – es scheint hier wirklich recht gefährlich zu sein, sich im Park frei zu bewegen.
Viele Opfer, die von der mosambikanischen Grenze her versuchten ins Land zu kommen, sprechen eine deutliche Sprache. Uns dürfte aber nichts passieren, der Ranger hat immer seine durchgeladene "Großwildbüchse" bei sich.
Gut getimed John, so heißt unser Ranger, wir nehmen unsere Ausguckposten gerade ein als hoch über dem Fluss die Sonne im Osten aufgeht – ein einfach unvergesslicher Moment.
Wieder eine Szene, die aus dem Film "Jenseits von Afrika" stammen könnte. Es ist wahr, wenn Dich Afrika gepackt hat, lässt es Dich nicht mehr los. Diese Erlebnisse kann ein eingefleischter Mallorca-Urlauber ganz einfach nicht nachvollziehen, die muss man erlebt haben.
Auf der Rückfahrt wird John noch von einem anderen Jeep angefunkt, ein Löwenüberfall wird dort gerade beobachtet. Wir rasen los. Normalerweise darf man im Park nicht schneller als 30 Kilometer fahren, aber das gilt für Ranger natürlich nicht, es geht "volle Pulle" über die staubigen Pisten. Wenige Minuten später treffen wir am Ort des Geschehens ein. Ein Rudel Löwen hat eine Ansammlung von Zebras und Kudus belauert und in Windgegenrichtung Position bezogen. John erklärt uns, dass Kudus und Zebras oft miteinander weiden, weil die einen gut hören, die anderen gut sehen und sich so ideal ergänzen. Wir warten rund eine halbe Stunde, da zieht die Löwenbande ab, das Beutewild hat sich langsam "aus dem Staub gemacht". Leider kein "blutiger Showdown", das sage ich als engagierter Tierschützer, aber die Natur ist halt so.
Gegen 9.00 Uhr sind wir im Camp zurück – überglücklich ob der eindrucksvollen Erlebnisse. Leider verlassen wir jetzt den Krüger Nationalpark. Nach dem Frühstück wird wieder eingepackt – das Rotel zusammengeklappt und dann los.
Wir fahren gegen 11.00 Uhr bei Phalaborwa aus dem Park heraus. Es ist das zentrale Gate des Krügers. Die meisten Touristen "betreten" hier den Park. Auch einen kleinen Flughafen gibt es hier, der regelmäßig von Johannesburg angeflogen wird.
Unser Mittagessen nehmen wir in der Nähe von Phalaborwa ein. Inge hat ein Picknick organisiert, das wir unter einem blühenden Baobabbaum einnehmen. Ein wirklich interessanter Platz, unter einem Gewächs, das nahezu 20 Männer umfassen können. Inge erklärt, dass die Baobabs eigentlich den Liliengewächsen zuzurechnen sind, kaum zu fassen.
Für das Essen haben wir uns in einem Supermarkt (Sparmarkt) nahe dem Park mit Salaten eingedeckt. Inge hat dort vorher angerufen, uns angekündigt und tatsächlich, die Vitrine im Supermarkt quillt über vor frisch angemachten, schmackhaften Salaten, wie von "Muttern". Bravo Inge, aufs Essen ist wirklich Verlass bei Dir.
Jetzt geht es weiter in das Herz der Drakensberge. Gegen 15.00 Uhr treffen wir auf dem Aventura Blydesport Ressort ein. Der englische Reiseführer sagt: "Where heaven meets the earth" also wo der Himmel die Erde trifft – und das stimmt auch fast. Eine unbeschreiblich schöne Anlage direkt in der Nähe des Blyde River Canyon, des drittgrößten Canyons der Welt - nach dem Grand Canyon in den USA und dem Fish River Canyon in Namibia.
Der Park ist inmitten einer wunderschönen Ansammlung von Bäumen und Pflanzen gelegen. Vor jeder bedeutenderen Pflanze ist ein kleines Schild mit Erklärungen angebracht, auf dem alle wichtigen Daten zu dieser Pflanze stehen. Mit der Jahrezeit haben wir auch Glück. Da sich der Park auf rund 1000 Meter Höhe befindet ist es hier wesentlich kühler als im Krüger. Die Pflanzen blühen um die Wette, und ein betörender Duft liegt über dem ganzen Camp, der einen fast betrunken macht. Neben Swimmingpool, Hotel, Restaurant (hierzu später) und Chalets gibt es noch diverse Sportmöglichkeiten und wie gesagt, alles wieder "Tip Top" sauber.
Da es noch früh am Tag ist, machen sich viele zu einer kleinen Wanderung zu einem der bekanntesten Aussichtspunkte in Südafrika, den "Tree Ronavels" auf. Ich ziehe meine Joggingschuhe an und mache mich im "D-Zugtempo" den Berg hinauf. Und wie schon so oft in Südafrika, die Landschaft „haut einen um“. Von einem der Aussichtspunkte kann man in den Canyon hinab sehen, in dem der Fluss gestaut wird. Die "Tree Rondavels" sind drei pilzartige Bergrücken, die sich abenteuerlich in die Landschaft über dem Fluss einfügen. Die Szenerie ist auf unzähligen Postkarten in ganz Südafrika zu finden.
Ich laufe zurück zu unserem Platz, wo schon der erste "Affenangriff" abgewehrt wird. Ein Trupp von Meerkatzen hat ausgekundschaftet, dass in unserem Bus Fressalien zu mopsen sind. Sepp hat alle Hände voll zu tun das Abendessen (Spaghetti) in Ruhe vorzubereiten. Ich habe die ganze Angelegenheit recht gelassen gesehen. Die Kerle waren eigentlich recht putzig mit ihren kleinen Kindern und kaum aggressiv, wie ich es schon in Kenia erlebt habe. Zur Belohnung gibt's von uns ein paar Bananen, über die sich die Kerle riesig freuen. Jedenfalls haben wir eine wirklich nette Unterhaltung bis nach dem Abendessen, dann sind sie wieder friedlich abgehauen.
Leider habe ich mich "breit schlagen lassen" das Essen im Rotel einzunehmen. War natürlich wieder nicht berühmt, Spaghetti mit einer undefinierbaren Soße. Aber was viel schlimmer war, ich habe das Abend-Buffet im hervorragenden Restaurant "Kadisi", das zum Ressort gehört, versäumt (rund 15 DM). Na ja, wir sind dann später mit Bianca und Nadine noch auf ein paar Bier in die Bar des Restaurants gegangen. Dort sitzen wir auf der Terrasse hoch über dem Canyon und lassen die Erinnerungen auf die zurückliegenden Wochen kreisen.
Der Barkeeper ist übrigens ein richtig lustiges Kerlchen. Ich hole aus meiner Tasche irrtümlicherweise die "Rolle" mit den Dollarscheinen und sofort fragt der Vogel, was das für Geld ist. Da die Dollars im Vergleich zum bunten südafrikanischen Geld, bei dem auf jedem Schein ein anderes Tier abgebildet ist, trist wirken (nur grüne Scheine in Einheitsgröße von 1 bis 100 Dollar) glaubt er mir nicht, sondern meint: "toy-money" - also Spielgeld. Ich schenke ihm dann einen Dollarschein für "seine Geldscheinsammlung", wie er sagt.
Als ich ihm dann noch sage, dass dieser unscheinbare Dollarschein rund 10 südafrikanische Rand wert ist, also mehr als doppelt soviel wie eine Mark, jubelt er über das fürstliche Trinkgeld, wie über einen Lottogewinn.
Da mir die Nudeln vom Rotel-Abendessen ziemlich im Magen liegen, nehme ich zum Bier jeweils einen Jägermeister. Der Barkeeper kommentiert die Bestellungen von mir mit: "Another german kombination".
18. Tag: In den Drakensbergen
Am heutigen Tag werden zwei Routen in den Canyon angeboten. Die erste und schwerere geht schon um 6 Uhr los, typisch Rotel, immer die ersten, die zweite, einfachere, 2 Stunden später.
Zuvor gibt es allerdings noch einen Stau bei den Waschräumen, da ein anderer Trupp von Rundreisenden am Vorabend auf dem Campingplatz regelrecht „eingefallen“ ist. Ein südafrikanisches Reiseunternehmen, dass wie Rotel mit einem Bus durch die Lande zieht, allerdings die Reisenden in Zelten übernachten müssen.
Leider handelt es sich hierbei um einen Haufen kröhlender Holländer, die ganz im Gegenteil zu unserer gepflegten Roteltruppe, die Toiletten und Duschen nicht so verließen, wie sie sie vorfanden. Mich stößt der Haufen und das Unternehmen ab, aber Bianca und Nadine versichern, dass der Trupp einen falschen Eindruck vermittelte. Da die beiden im vergangenen Jahr mit "Which way" quer durch Namibia gereist sind und sehr zufrieden waren, können sie sich ein Urteil erlauben – zwei "Afrikainfizierte".
Da ich die zweite Route schon am Vortag "durchgejogged" bin, entschließen wir uns das Frühstück im Kadisi-Restaurant einzunehmen. Und ich muss schon wieder in Superlativen schwelgen, das beste Frühstücksbuffet "aller Zeiten". Einfach alles, was man sich vorstellen kann, warme Speisen aller Art, fast wie ein Mittagessen, frisch zubereitete Eierspeisen durch den Chefkoch, leckere Wurst, fast wie in Deutschland (habe ich im Ausland so auch noch nicht erlebt), frische, exotische Früchte, frisch gepresste Säfte (Papayasaft, die Wucht), Kuchen, Teilchen und Kaffee bis zum Abwinken. Alles für rund 9 DM.
Barbara, unsere älteste Teilnehmerin gesellt sich auch zu uns, da sie sich die Kletterei nicht zutraut. Die zuständige Bedienung für unseren Tisch hat übrigens heftig protestiert, weil wir uns an einen Tisch gesetzt haben, der nur über einige Stufen zu erreichen war. Ihrer Meinung sollten wir uns doch an einen Tisch setzen, der für Mama Barbara (die sagen zu allen älteren Damen immer "Mama", witzig) leichter zu erreichen wäre – einfach aufmerksam die Truppe hier.
Frisch gestärkt geht es dann nach der Abfahrt mit dem Rotel weiter durch die Drakensberge. Schade, hier in dem Park hätte ich es ein paar Tage länger ausgehalten. Wir halten gegen 10.00 Uhr beim Aussichtspunkt "Worlds end" - sehr treffend. Hier hat man noch einmal einen herrlichen Ausblick in den Canyon. Vielleicht noch interessanter als die Landschaft sind für viele die Straßenhändler, welche den Parkplatz belagern. Inge hat zu diesen Ansammlungen immer "Straße der Versuchung" gesagt und uns ermahnt, dass wir, je weiter wir in den Norden kommen, die Sachen immer billiger werden – stimmt.
Silvia erliegt dieser Versuchung und kauft, zugegeben, zwei schöne Specksteintiere (Nashorn und Elefant für rund 20 DM), die in der örtlichen Handwerker-Initiative hergestellt worden sind, also sogar ne gute Tat. Die Leute hier in Südafrika sind übrigens nicht annähernd so aufdringlich und penetrant, wie beispielsweise die Händler in Ägypten oder Kenia, sehr angenehm hier das Shoppen. Allerdings sind auch nicht so astronomisch große Verhandlungsspannen wie in diesen Ländern drin.
Weiter geht es zur nächsten landschaftlichen Attraktion, den Bourkes Luck Potholes. Diese "Strudelkessel" sind eine interessante geologische Erscheinung, die schon vor Millionen von Jahren entstanden ist. Aus allen Ecken schießen kleinere Wasserfälle in eine tiefe Sandsteinschlucht und durch Auswaschungen haben sich kreisrunde Löcher gebildet. Für die Besucher wurden eine Vielzahl von Brücken angelegt, die über die reißenden Schluchten führen.
Mittlerweile brennt die Sonne wieder vom Himmel herunter und es geht zum vielleicht bekanntesten Aussichtspunkt Südafrikas überhaupt, dem "Gods Window", also dem Fenster Gottes.
Hier vom Rand der Drakensberge in 1800 Metern Höhe hat man einen unbeschreiblichen Rundblick bis zur mehr als 140 Kilometer entfernten Grenze von Mozambique. Auf dem Weg zum höchsten Aussichtpunkt durchquert man einen tropischen Regenwald, der zeigt, dass es hier oben normalerweise viel feuchter ist als an diesem herrlichen Tag.
Ich glaube hier oben wurden mehr Bilder gemacht, als an jedem anderen Punkt der Reise. Beneidenswert die Leute, die im Besitz einer Filmkamera sind, auf einem Photo kommt die Aussicht einfach nicht richtig rüber.
Heute jagt wieder ein Höhepunkt den nächsten, es geht weiter nach Graskop. Eigentlich ist der Ort Graskop nichts Besonderes. Er liegt 1500 m über dem Meeresspiegel, hat rund 1500 Einwohner und bietet das wohl beste Pfannkuchen-Restaurant der südlichen Hemisphäre – Harrys Pancake-House – gerade richtig zum Mittagessen. Für eine phantastische Portion Pfannkuchen mit Kirchen, Likör und Vanilleeis bezahle ich gerade mal 6 DM, das Kännchen echter Filterkaffee kostet 2 DM. Werner, Rentner aus Mannheim, meint zu den Preisen hier: "Ich wandere nach Südafrika aus, lasse mir die Rente überweisen, lebe hier wie ein König und kann mir sogar ein Dienstmädchen leisten". Stimmt.
In diesem Ort geht es fast zu wie in der Drosselgasse von Rüdesheim. Nachdem wir uns mit knapper Not in die „Pancakeria“ gerettet haben, hängen die Straßenverkäufer mit ihren Cashew-Nüssen wieder an uns herum. Ich fühle mich wie bei aufdringlichen Straßenverkäufern an den Pyramiden; aber ich betone, das einzige Mal auf dieser Reise.
Wobei die Verkäufer mit ihren Angeboten wirklich nicht teuer sind; etwa 3,00 bis 4,00 DM für eine Tüte mit rund 500 Gramm Nüssen. Silvia meint, dass man in Deutschland ein Vielfaches bezahlen muss. Wir verteilen vor dem Einsteigen in den Bus wieder Wachen an beiden Türen, man weiß ja nie. Ich beordere Heiner, einen der drei Rentner aus Mannheim, an den Hintereingang – er sieht am „brutalsten“ aus. Nein er misst fast 2 Meter, und mit seinem Zopf haben die „Schwarzen“ richtig Respekt vor ihm.
Auf unserem Flug nach Südafrika hat Silvia Heiner auch schon frühzeitig bemerkt und geglaubt, da hat sich ein ganz finsterer Geselle bei Rotel eingefunden. Weit gefehlt, ein ganz netter Kerl, der mit seinem Lebenspartner Wilfried die Reise angetreten hat und mit seinen trockenen Sprüchen und seiner angenehmen Art mit zum Gelingen der Reise beigetragen hat.
Zurück nach Graskop, ich positioniere mich dann noch an der Vordertür und „rette“ eine unserer Mitreisenden, die durch Taubheit gehandicapt ist, vor dem „Mob“ und schon habe ich mir den Zorn der ganzen einheimischen Bande zugezogen. „Ich würde ihr ganzes Geschäft kaputtmachen“ und weitere Beschimpfungen muss ich mir anhören. Renate, genannt „die grüne Hose“, glaubt sie wäre ganz geschickt und verhandelt aus dem Bus heraus über den Preis, über den Kopf von Heiner hinweg, was die Kerle veranlasst, fast bis in den Bus hereinzukommen. Natürlich gibt dies einen Mords-Anschiss von Heiner. Es gibt halt Leute in so einer Truppe, die man nur als Blindgänger (Renate) bezeichnen kann.
Endlich geht es weiter. Wir fahren auf der „Panorama-Route“ weiter zu den Mac Mac Falls, wo wir einen kurzen Zwischenstopp gegen 15.00 Uhr einlegen. Vom Busparkplatz aus geht es ca. einen Kilometer zu den Wasserfällen, die sich rund 60 Meter tief in eine poolähnliche Landschaft herunterstürzen.
Nach all den Highlights nimmt man dieses sicherlich wunderschöne Naturschauspiel gar nicht mehr richtig wahr, und ich notiere mir in meinem Reisenotizblock ein „Na ja“. Silvia vervollständigt bei den Straßenhändlern beim Busparkplatz ihre Tiersammlung, endlich mit dem „Happy Hippo“, dem Nilpferd.
Unsere Reise geht weiter zum höchsten Punkt der Reise dem „Long Tom Pass“. Vorher durchqueren wir das wunderschön gelegene Städtchen Sabie. Hier glaubt man sich fast mitten im Schwarzwald zu befinden, alles wieder sehr sauber, akkurate, gepflegte Häuser ein Genuss. Ich merke es mir vor für eine spätere Reise.
Der Bus quält sich jetzt über 20 Kilometer bergaufund bewältigt hierbei fast 700 Höhenunterschied. Wir spüren das wieder am eigenen Leib; der Motor unter der Rückbank, auf der wir sitzen, fängt an zu glühen. Inge gibt dabei auch noch zum Besten, dass hier vor wenigen Jahren bei einem Bus mit Reisenden aus England die Bremsen versagt haben und es zu vielen Opfern kam. Sehr beruhigend, rechts von mir tun sich wahre Abgründe auf.
Endlich erreichen wir die Passhöhe. Der Name „Long Tom Pass“ wurde von den Buren geprägt. Im sogenannten 2. Burenkrieg von 1899 bis 1902 haben die Buren, also die holländisch abstammenden Siedler, hier oben zwei für die damalige Zeit riesige Geschütze aufgestellt, die sie „Long Tom“ nannten. Die Geschütze verschossen rund 50 Kilo schwere Granaten rund 9 Kilometer weit. Genützt hat’s nicht viel, die Engländer besiegten die Buren und fügten Südafrika in das Britische Weltreich ein. Eine Nachbildung eines der Geschütze steht hier oben noch. Franz aus Sachsen, unser „Untermieter“ im Rotel, erklärt uns alle Details ganz genau. Ich bin baff, aber später sagt er mir, dass er in der NVA der damaligen DDR mit solchen „Teilen“ viel zu tun hatte.
Vor der Reise hatte ich übrigens nicht wenige Abneigungen gegen die Buren, die „Reinkarnation“ des Bösen hier in Südafrika, die ja maßgeblich für die Apartheidpolitik verantwortlich gewesen sein sollen. Aber jetzt, da ich das Land bereist habe und erlebt habe, was die weißen Siedler, und das waren nun mal im wesentlichen die holländischen Vortrecker, geleistet haben, hat sich die Abneigung in Achtung gewandelt. Die Zivilisation, so wie man sie hier in Südafrika erleben kann, und das gibt es in ganz Afrika kein zweites Mal, geht im Wesentlichen auf diese Leute zurück.
Dann wurden sie auch noch von den Engländern anfangs des 20. Jahrhunderts gedemütigt und unterjocht. Ich jedenfalls habe, wenn ich durch die gepflegten Burenstädte gefahren bin, eine große Seelenverwandtschaft mit diesen Menschen feststellen können und ich hoffe, dass die Schwarzen nicht den Fehler machen, die Weißen zu vertreiben, wie das in Rhodesien, Mocambique, Kongo oder vielen anderen afrikanischen Ländern geschehen ist. Chaos und Untergang wären wohl die Folge.
Inge sagt, dass auch in Südafrika mittlerweile viele weiße Afrikaner das Land verlassen haben, weil sie Angst hatten vor der politischen Entwicklung. Und so fehlen mittlerweile wohl viele Ärzte, Rechtsanwälte, Beamte, also die Mittelschicht, die jede Gesellschaft stützt. Ich glaube, nur der charismatischen Gestalt von Nelson Mandela ist es zu verdanken, dass dieses wunderschöne Land nicht im Chaos versunken ist. Denn der eigentliche gesellschaftliche Sprengstoff hier in Südafrika liegt nicht bei der Konkurrenz zwischen Schwarz und Weiß, sondern bei den uralten Differenzen zwischen den Volksstämmen – insbesondere zwischen den Xhosa, denen übrigens Nelson Mandela angehört und dem großen und stolzen Stamm der Zulu.
Diese Auffassung habe ich in vielen Gesprächen, die ich mit Einheimischen geführt habe, immer wieder herausgehört. Da geht es teilweise um jahrhundertealte Angelegenheiten, wir würden es wohl Blutrache nennen. Da zeigt sich wieder einmal, Reisen bildet und der Eindruck, den die Medien über gewisse Länder vermitteln, deckt sich noch lange nicht mit der Realität.
Tja, so mancher Gedanke kommt einem schon, wenn man gegen Ende einer so beindruckenden Reise an so einem geschichtsträchtigen Punkt steht.
Vom höchsten Punkt der Reise, mit rund 2.200 Metern geht es nun bergab zu unserem Nachtquartier nach Lydenburg dem Campingplatz „Laske Nakke“, nichts berühmtes, sehr laut, neben einer stark befahrenen Fernstraße auf der die LKWs ab 4.00 Uhr durchdonnern. Ich habe die ganze Fahrt nicht so schlecht geschlafen, wie hier.
Dann bleiben wir noch im Schlamm stecken und Inge muss Sepp, unseren Fahrer, zum Arzt fahren. Er quält sich schon seit Tagen mit Fieber rum. Inge vermutet Malaria, die Sepp nach vielen Jahren in den Tropen auch nicht verschont hat, und möglicherweise wieder zum Ausbruch kommt.
Für unser Abendessen bedeutet das natürlich ein großes Fragezeichen. Silvia übernimmt kurzerhand die Initiative und schwingt sich auf die 1,50 Meter hohe Kochfläche, die direkt hinter den letzten Kabinen angebracht ist. Ich helfe bei der Zubereitung des Essens und kann mir jetzt mal ein richtiges Bild machen unter welchen Bedingungen hier oben „köstliche Menüs“ zubereitet werden können – leider nur auf anderen Rotelreisen.
Wir kochen 40 Eier und aus den restlichen Maggisuppen, die wir finden, eine Suppe für die ganze Truppe. Ich behaupte, es hat nicht schlechter geschmeckt als bei Sepp, aber bedankt hat sich bei Silvia auch keiner.
Leider gibt es auf dem Campingplatz, der einen leicht heruntergekommenen Eindruck macht, auch kein Geschäft, in dem man ein paar Sachen einkaufen kann. In der Kneipe, die zum Platz gehört, bin ich nicht bedient worden. Ein paar breitschultrige (weiße) Landarbeiter, die von der Arbeit kommen, machen sich an der Theke breit und beäugen jeden „Fremden“ mit Argusaugen. Nichts für mich, ich gehe zurück zum Rotel und trinke noch ein paar Bier mit Siegi meinem „Kollegen“ von der letzten Bank im Bus.
Spät am Abend kommen Inge und Sepp vom Arzt zurück. Zum Glück keine Malaria, nur eine Mittelohrinfektion. Die Kosten für Arztbesuch und Medikamente - unglaubliche 4 DM. Bisher waren die Kosten für Medikamente in allen Ländern, die wir besucht haben günstiger als in Deutschland (bis auf die Schweiz) - aber das hier!
19. Tag: Nach Pretoria
Heute geht es auf unsere letzte Etappe, nach Pretoria, noch einmal gut 400 Kilometer. Wir starten gegen 7.45 Uhr. Es geht über Belfast und Middleburg, alles recht schmucke Städtchen, zur Hauptstadt von Südafrika, die wir bei herrlichem Sonnenschein und rund 29 Grad gegen Mittag erreichen.
Gegen 10.00 Uhr gibt es noch ein üppiges Frühstück bei Wimpy auf einer Raststätte; ich würde es als Fernfahrerfrühstück bezeichnen, allerdings für den Preis erhält man in Deutschland vielleicht ein belegtes Brötchen.
Wir fahren durch Pretoria und ich kann es nicht glauben, dass wir uns in Afrika befinden. Man glaubt sich vielleicht in Florida oder Kalifornien, mit all den großen Einkaufszentren, den gepflegten Straßen und den teuren europäischen Wagen (hauptsächlich VW und BMW, die hier in Südafrika große Werke besitzen). Das bemerkenswerteste für mich ist aber, dass eben nicht nur Weiße die Wagen fahren, nein, ganz im Gegenteil, der ganz überwiegende Teil sind Schwarze bzw. Menschen indischer Herkunft. Inge erklärt hierzu, dass sich in Südafrika mittlerweile eine gut situierte Mittelschicht, insbesondere von Schwarzen bildet, die durch neue Gesetze begünstigt wird und die Weißen verdrängt.
Wir erreichen unseren letzten Campingplatz – Joos Becker am Fuße des Marelisgebirges, angeblich das älteste Gebirge der Welt. Der Platz macht einen recht gepflegten Eindruck; Swimmingpool, alles vorhanden. Wieder die Feststellung, dass viele verarmte Weiße hier ständig leben müssen.
Nach dem Aufbau des Rotels ist noch eine Menge Zeit für die Erledigung von vielen Kleinigkeiten. Einige genießen noch einmal das wunderschöne Wetter hier – und legen sich den ganzen Nachmittag in die Sonne. Ich schnalle mir noch ein letztes Mal in Südafrika die Joggingschuhe an und laufe eine Runde durch die Gegend. So gerate ich in eine „weiße“ Wohngegend nahe unserem Campingplatz, wo ich von einer Gruppe Kinder begleitet werde. Sehen wohl zum ersten Mal einen Jogger. Ein Junge ist besonders anhänglich und will wissen wer ich bin. Ich sage ihm, dass ich Arnold Schwarzenegger bin, der hier Urlaub macht. Den kennt er nicht. Gibt’s nicht, den bekanntesten Menschen nach dem Pabst.
Nicht zu glauben, aber ich habe mir bei meinem knapp einstündigen Ausflug nach drei Wochen Südafrika noch einen Sonnenbrand zugezogen.
Zwischenzeitlich haben Inge und Sepp die Abrechnung für Getränke und Ausflüge; die während der Reise angefallen sind, fertiggestellt. Wir bezahlen 170 DM für Getränke, die wir am Bus getrunken haben und jeweils 110 DM für alle Ausflüge und Eintritte. Neben den 3.800 DM für die Reise (pro Person) haben wir dann also weniger als 1.200 DM zusammen für Nebenkosten ausgegeben, und wir haben wirklich nicht schlecht gelebt.
Da waren allerdings ein paar Mitreisende dabei, die fast keine weiteren Ausgaben hatten, sich durch die Rotelküche gequält und ihr Bier im Supermarkt gekauft haben (und natürlich dann warm trinken mussten).
Auf dem Campingplatz hier in Pretoria steht übrigens der Rotel Expeditionswagen, der für die Fahrt nach Namibia vorgesehen ist. Da wir uns schon für diese Reise im kommenden Jahr haben vormerken lassen, sind wir an der „Kiste“ sehr interessiert. Zufälligerweise hat Sepp einen Schlüssel und macht für uns eine Führung.
Wirklich beeindruckend, das Teil ist ein von Mercedes umgebauter, riesiger fast 4 Meter hoher LKW, bei dem hinter der Fahrerkabine die 20 Reisenden ihre Sitzplätze finden. Hinter diesem Bereich befinden sich die Schlafkabinen und Küche, also all das, was bei uns im Bus und Anhänger untergebracht ist, trägt dieses Spezialfahrzeug, das auch noch auf allen drei Achsen per Allrad angetrieben wird und für schwieriges Gelände geeignet ist.
Heute Abend findet das „traditionelle“ Abschiedsessen statt, das Rotel finanziert. Alle kramen ihre besten Sachen raus. Die Frauen schmeißen sich in Schale und putzen sich raus, so dass man einige nach den drei Wochen im Campinglook fast kaum wiedererkennt. Ich genieße vor der Abfahrt noch ein paar frisch gezapfte Bier (0,5 Liter für 1,90 DM) im Restaurant, das zum Campingplatz gehört, bei rund 30 Grad um 17.00 Uhr. Der richtige Moment noch einmal die Erlebnisse vorbeiziehen zu lassen. Ich glaube, einer der schönsten Momente für mich auf der Reise - mitten im Dezember, ein mildes Lüftchen, ein kühles Bier, eine gelungene Reise und ein schöner Abend vor sich mit vielen Leuten, die man lieb gewonnen hat.
Gegen 18.00 Uhr geht es los. Wir fahren mitten in die City von Pretoria ins „Salzburg“ ein deutsch-österreichisches Restaurant. Eine echte Überraschung, ich hätte mit einem südafrikanischem Spezialitätenrestaurant gerechnet – gelungen.
Wie so Abschlussabende sind. Es sitzen die Leute zusammen, die sich die ganze Reise über auch gut verstanden haben. An unserem Tisch sitzen Siegi, Barbara, Bianca, Nadine, Christa und die drei Ludwigshafener. Wir nehmen ein vorzügliches Mahl ein.
Es gibt Shrimpscocktail mit Avocado, deutsches Brot (nach drei Wochen Toastbrot eine Delikatesse) und das südafrikanische Nationalgericht Maisbrei mit scharfer Gulaschsoße, gebratene Wildkeule (Kudu) mit Spätzle, Kartoffeln, Rotkraut, Baumkürbis und zur Nachspeise Topfenpalatschinken mit Vanilleeis, Schokoladensoße und Sahne.
Wie es sich gehört, werden noch Dankesreden gehalten. Ich wurde auch mehrmals angesprochen, diese „besondere“ Ehre wahrzunehmen, habe es dann aber abgelehnt, da ich als Rotelneuling und jüngerer Reiseteilnehmer anderen den Vortritt lassen wollte.
Sicherheitshalber habe ich mal ein paar Zeilen in der Nacht vorbereitet gehabt, aber dann hat Jörg aus dem schönen Schwabenländle die Pflichtübung übernommen – für einige wohl etwas zu kritisch unserer Reiseleiterin gegenüber, aber die sollen es erst mal besser machen. Jörg überreicht Inge und Sepp noch unser Abschiedsgeschenk. Wir haben Geld gesammelt, es sind rund 700 DM für Sepp und rund 500 DM für Inge zusammengekommen. Ganz schöner Nebenverdienst, aber wenn es stimmt was man hört, werden die Reiseleiter und Fahrer bei Rotel nicht besonders gut bezahlt und die Trinkgelder sind „miteingepreist“.
Unsere Rückfahrt geht durch ein total ausgestorbenes Pretoria und das schon gegen 21.00 Uhr. Inge meint, dass es einfach zu gefährlich ist spät abends in einigen Städten Südafrikas unterwegs zu sein, besonders als Weißer. Dieser Umstand führt auch zu einem ganz anderen Tagesrhythmus der Menschen hier in Südafrika. Es wird früh aufgestanden und früh schlafen gegangen, man geht auch recht früh abends zum Essen, um dann auch früh nach hause zu gehen.
Auf dem Campingplatz sitzen die Leute noch ein wenig beisammen, leider ist das Bier ausgegangen. Wir gehen früh ins Bett. Wie ich am nächsten Tag erfahren habe, hat Siegi Nadine und Barbara noch bis in die späte Nacht hinein den südlichen Sternenhimmel erklärt, ein Mann mit inneren Werten, hätte ich ihm am Anfang der Reise nicht zugetraut.
Letzter Tag:
Das befürchtete Chaos tritt ein. Die Kabinen, in denen sich im Laufe der Reise eine Menge Sachen angesammelt haben, müssen „ausgemistet“ werden. Ich wundere mich, wie einige überhaupt noch in die Kabine zum Schlafen kamen. Auch die Matratzen und das Bettzeug müssen von uns abgezogen werden. Wir sammeln nicht mehr benötigte Lebensmittel, Kleidung und andere Utensilien für die Ärmsten der Armen hier auf dem Campingplatz, u. a. für eine schwarze Frau mit ihren Kindern, die auch den Wagen reinigt.
Die Koffer werden aus dem Bauch des Busses geholt und die Rumräumerei beginnt, ein beeindruckendes Bild - wie auf einem Flohmarkt. Wer dann aber geglaubt hat, dass der Abflugtag eher gemächlich abläuft, sieht sich getäuscht – volles Programm.
Inge hat sich heute schon früh zurückgezogen, sie muss noch eine Menge erledigen, da sie auch mit uns zurück nach Deutschland fliegt, das erste Weihnachtsfest mit der Familie seit 4 Jahren ein harter Job. Wir werden von einer deutschen, ortsansässigen Reiseleiterin begleitet, die schon seit 18 Jahren im Land lebt und mit ihrem Mann hier „hängengeblieben“ ist. Eine gute Maßnahme, die Frau gibt uns eine Menge topaktuelle Informationen - auch aus der Sicht einer Deutschen.
Zuerst geht es zum „Paul Krüger Haus Museum“. Ein von außen recht unscheinbares Haus, in dem Paul Krüger der Präsident der Republik Transvaal Ende des 19. Jahrhunderts gelebt hat. Die Einrichtung aus dieser Zeit ist sehr eindrucksvoll. Im Garten steht der Nobelwaggon, mit dem Krüger eine regelrechte Abschiedstournee durch sein Land antrat. Sehenswert.
Nächster Punkt ist das Voortrekker Monument, das sich etwas außerhalb über der Stadt erhebt. Gewidmet ist es den kapholländischen Siedlern, die unter unsäglichen Anstrengungen das Land erobert haben. Mit ihren schweren Ochsenkarren haben sie sich unter anderem über die Drakensberge gequält, die auch unserem Bus soviel abverlangt haben. Im Innern des Gebäudes, der Hall of Heroes“, sieht man die wichtigsten Szenen des „Großen Trecks“ von 1838 in mannsgroßen Marmorplatten an allen vier Wänden. Über 260 Stufen kann bis in die Kuppel hinaufsteigen von wo aus man einen herrlichen Ausblick über die Stadt genießt, heute bei klarem Himmel und fast 30 Grad, wunderbar. 
Rings um das Gebäude sind in einer Mauer die 64 Ochsenkarren eingemeißelt, die 1838 am Blood River 470 Buren als Schutzwall gegen 12.000 Zulukrieger dienten. Das Zulu-Heer wurde vernichtend geschlagen, angeblich hatten die Buren kein einziges Opfer zu beklagen.
Unsere Abschiedstour führt uns weiter zum Union Building, dem südafrikanischen Regierungssitz. Das prächtige Sandsteingebäude ist von einem herrlich gepflegten Garten umgeben. Hier wurde übrigens auch Nelson Mandela 1994 in sein Amt eingeführt.
Unser Mittagessen nehmen wir in einem italienischen Restaurant in einer etwas besseren Gegend von Pretoria ein. Das Essen in dem Restaurant, in dem unsere Reiseleiterin wohl gut bekannt ist, mag zwar recht gut und günstig sein, doch die Bedienung hier ist total überfordert und verursacht bei der Besetzung der Plätze ein mittleres Chaos, so dass wir schon wieder ohne Essen gehen wollten.
Nach dem Essen verlassen wir Pretoria, das auf mich einen recht guten Eindruck hinterlassen hat. Wir fahren weiter in das nur wenige Kilometer entfernte Johannesburg, dort startet unser Flugzeug. Zunächst geht es in das Nobelviertel von „Joburg“ und ich muss sagen, ich habe noch nie so viele teure Häuser auf einem Fleck gesehen. Hinzu kommt, dass das Viertel riesengroß ist, also nicht mal nur ein paar Paläste, nein Hunderte. Alles bewacht, wie „Fort Knox“, Stacheldraht, Elektrozäune, Wachdienste, Eingangskontrollen. Wir fahren auch am Haus von Nelson Mandela vorbei, eines der weniger auffälligen Häuser.
Noch ein letzter Blick auf das Viertel von einem Aussichtspunkt. Ich sage zu Nadine, der die Reise mit Rotel, im Gegensatz zu ihrer Begleiterin Bianca, sehr gut gefallen hat: „Genieße noch mal die herrliche Sonne und das tolle Klima, morgen sind wir wieder im kalten Deutschland.“ Völlig aufgelöst jammert sie: „Warum quälen die uns denn nur so, mir wäre es fast lieber gewesen, die hätten uns heute Morgen in den Flieger gesteckt und weg. Kurzen Prozess.“ Der Kleinen fällt der Abschied aus Südafrika offensichtlich sehr schwer.
Das Kontrastprogramm folgt kurze Zeit später – wir fahren durch Johannesburg, die größte Stadt Südafrikas. Ursprünglich war im Programm vorgesehen, dass mit der Gruppe ein Stadtrundgang durchgeführt wird. Dies fällt allerdings ins Wasser, da aufgrund extrem vieler Überfälle z. Zt. von einem Stadtaufenthalt generell abzuraten ist. So wurde, nach Auskunft von Inge, im vergangenen Jahr die Rotelgruppe im Carlton Hotel, das größte Hochhaus in Afrika und fehlt normalerweise bei keiner Johannesburg-Führung, von einer Jugendbande überfallen, obwohl die Gruppe von hoteleigenen Wachpersonal begleitet wurde.
Also „drücken wir uns die Nasen an den Busfenstern platt“. Und was zu sehen ist bestätigt meine Befürchtungen. Eine absolut nicht sehenswerte Stadt, die in großen Bereichen an Mombassa erinnert. Fast kein Weißer traut sich mehr in die Innenstadt. Die großen Touristenhotels sind geschlossen, auch die großen Firmen sind aus dem Zentrum abgewandert – das ganze Zentrum droht zu verkommen..
Ich wundere mich nicht, dass Johannesburg die gefährlichste Stadt der Welt sein soll; dies soll allerdings den überaus positiven Gesamteindruck der Reise nicht schmälern, man muss sich vorher halt auf die Situation hier eingestellt haben
Also geht es schnurstracks zum Flughafen, der vor kurzer Zeit komplett renoviert wurde und einen exzellenten Eindruck hinterlässt. Die Zeit bis zum Rückflug überbrücken wir in der Lounge, wo wir die restlichen Rand unters Volk bringen und ich mir noch ein paar köstliche frisch gezapfte „Lager“ gönne. Siegi frischt seine Biltong-Vorräte noch ein wenig auf. Das getrocknete Fleisch wird er in der Qualität und für den Preis in Deutschland wohl nicht mehr bekommen - für ihn als Hobbyangler der ideale Zwischenimbiss.
Der Abschied von Inge fällt recht herzlich aus, sie fliegt eine halbe Stunde vor uns mit Lufthansa. Sie hat ihren Job gut gemacht. Kompliment, von der Sekretärin hochgearbeitet bis zur Reiseleiterin, ein ungleich verantwortungsvollerer Beruf und sie hat alle wieder gesund zum Flughafen gebracht, sicherlich das Wichtigste.
Der Flug beginnt pünktlich. Die SAA hat wieder Probleme bei der Sitzplatzvergabe, obwohl Inge beim Einchecken dabei ist konnten nicht alle Partner nebeneinander sitzen. Also übernehmen wir kurzerhand selbst die Initiative und tauschen sooft, bis wir alle neben denen sitzen, neben denen wir sitzen wollen. Die Flugbegleiter zeichnen sich wieder durch übermäßige Unfreundlichkeit aus.
Unglaublich, aber ich kann fast 7 Stunden schlafen, was mir im Flugzeug noch nicht passiert ist. Die Rotelreise hat mir einen gesunden und tiefen Schlaf beschert.
Am Frankfurter Flughafen, gegen 8.00 Uhr pünktlich angekommen, gibt es eine große Verabschiedungsszene. Man ist über die drei Wochen doch irgendwie eine große Familie geworden. Viele Tränchen fließen, Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen werden ausgetauscht und dann zerstreut sich die Truppe in alle Himmelsrichtungen. Es geht von Frankfurt aus für einige weiter nach Berlin, Hannover, München, Bremen oder gar in den Bayerischen Wald. Wir sind in nur 20 Minuten zu Hause – es wird nicht leicht sich wieder einzugewöhnen, im europäischen Winter.
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