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Erste Woche

Anreise und 1. Tag:

Nach all den Vorbereitungen rückt langsam der Tag der Abfahrt näher. Kurz vorher meldet sich das Reiseunternehmen allerdings noch zweimal. Zunächst werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir tunlichst Dollars mitnehmen sollten, da in Südafrika niemand mehr DM eintauscht, der Umstellung auf Euro wegen. Dies stellte sich später als totaler Quatsch heraus ,war auch nicht mit der Reiseleitung abgesprochen, und kostete alle eine Menge an Umtauschgebühren.

Ein weiteres Mal meldet sich Rotel Tours telefonisch. Wir werden gebeten, ein wichtiges Ersatzteil für den Bus mitzunehmen, ohne dass die Reise überhaupt nicht starten könne. Abgemacht, Rotel-Urlaub heißt improvisieren und mitanpacken. Es handelte sich übrigens um die Blattfeder der Vorderachse.

Abflug Sonntagabend 20.00 Uhr mit South African Airlines (SAA). Vorher erhalten wir noch o.g. Ersatzteil. Als Dankeschön gibt es eine Schirmmütze, ein T-Shirt und einen Kugelschreiber von Rotel. Um diese Utensilien werden wir im Übrigen von so manchen alteingesessenen Rotelianern auf der Reise beneidet („Jetzt fahre ich schon 10 Jahre mit Rotel und ich habe noch nie so ein schönes T-Shirt zu Weihnachten bekommen“).

Leider können wir nicht zusammensitzen, da der Flug angeblich überbucht ist. Eine faule Ausrede, man will sich nur keine Arbeit machen, um das zu organisieren, aber es ist gar nicht so schlimm, so lernen wir schon die ersten Rotelianer kennen, die neben uns  sitzen.

Der Flug verläuft recht ruhig, nur zum Abendessen kommen wir in Turbulenzen und der Jumbojet wankt wie eine angeschossene Taube. Das Flugpersonal bei dieser Gesellschaft, ebenso wie vorher das Bodenpersonal kurz vorher, macht im Übrigen einen ausgesprochenen lustlosen bis arroganten Eindruck. Bei einer Arbeitslosenquote von teilweise 70% in Südafrika und massiven Einbrüchen im Flugverkehr nach den Ereignissen in New York erstaunt mich das sehr.

 Zumindest sind das Unterhaltungsprogramm und das Essen an Board einigermaßen. Die Filme gibt’s sogar in deutscher Sprache.

 

 2. Tag und Ankunft in Südafrika:

Ankunft in Johannesburg gegen 8.00 Uhr. Der Flugplatz ist nagelneu und macht einen recht positiven Eindruck.

Wir müssen allerdings umsteigen, um nach Kapstadt weiterzukommen. Das ist gar nicht so einfach, da vorher die obligatorisch strenge, afrikanische Passkontrolle mit äußerst schlecht gelaunten Beamtinnen durchgestanden werden muss, die eine Menge Zeit kostet.

Dann kommt noch das Gepäckauschecken und Wiedereinchecken dran, und - oh Schreck die Federgabel ist weg. Mit 20 Jahre altem Schulenglisch versucht Silvia dem Beamten bei der Gepäckausgabe verständlich zu machen was wir suchen (a part of the engine of a bus). Und es funktioniert, das Teil taucht wieder auf. Nur wo geht es zum Gate nach Kapstadt – die Zeit drängt. Ein freundlicher Kofferträger mit offiziellem Namensschild der Flughafenverwaltung bietet seine Hilfe an.

Normalerweise lehne ich diese Hilfe ab. Diese aufdringlichen Typen gibt es in jedem Flughafen, aber wir sind in Zeitdruck, der Anschlussflug wartet – also los. Und der Mann ist echt gut, es geht quer durch den ganzen Flughafen, und die blöde Federgabel muss auch noch an einer ganz anderen Stelle eingecheckt werden wie unser normales Gepäck. Also ein Trinkgeld von zwei Dollar ist angebracht und wir haben den Anschlussflug gerade noch so gepackt.

Rund zwei Stunden Flug in einem nicht einmal 1/3 besetzten Jumbo und das Flugpersonal ist hier bedeutend freundlicher. Der Flug geht über die Große Caroo, ein sehr trockenes und karges Land - langsam steigt die Urlaubsstimmung. Ankunft gegen 10.00 Uhr in Kapstadt, eine der schönsten Städte der Welt.

Am Flughafen empfängt uns schon unsere Reiseleiterin. Inge, eine kleine, blonde und  sehr resolute Frau in meinem Alter.

Die Federgabel wird schon sehnlichst erwartet – und wie es so kommt, es fehlt ein Koffer. Barbara unsere älteste Reiseteilnehmerin mit 76 Jahren hat in Johannesburg nicht durchgeblickt, kein Hohn, uns wäre es fast nicht besser gegangen.

  Die Roteltruppe trifft sich zum ersten Mal. Erster Eindruck, das Durchschnittsalter liegt wohl klar jenseits der 50. Später wird sich rausstellen, dass die jüngste Teilnehmerin, Nadine, Neumünchnerin, Krankenschwester, 25 Jahre, ist und die Älteste, Barbara, 76 Jahre, Bremerin und Sprachgenie. Mehr als die Hälfte sind Alleinreisende, bei Rotel wohl die Regel, da diese hier keinen Aufschlag für „Einzelzimmer“ bezahlen müssen.

 Egal die „Rotelmaschinerie“ läuft an, keine Zeit verlieren, es wartet schon der erste Tagesordnungspunkt – Besuch des botanischen Gartens in Kapstadt. Leider ist das Wetter nicht besonders, bedeckter Himmel, rund 18 Grad, keine optimalen Voraussetzungen zum Fotografieren. Nach kurzer Fahrt sind wir da, der Garten ist echt beeindruckend (ca. 4 DM Eintritt). Die südafrikanische Flora ist einzigartig in der Welt und unsere Reiseleiterin kennt fast jeden Baum und Strauch mit Namen.

 Nach rund zwei Stunden Aufenthalt geht es weiter zu unserem Schlafplatz für die nächsten vier Tage. Der Ouskip Campingplatz befindet sich rund 15 Kilometer außerhalb von Kapstadt am fantastischen Melkbosstrand,. Er liegt etwas in nordwestlicher Richtung von Kapstadt, ist viele, viele Kilometer lang ist und fällt flach ab.

 Wunderschön ist von hier aus auch der Blick auf den berühmten Tafelberg.

Ich habe die Gelegenheit genutzt mehrere Male abends dem Sonnenuntergang entgegen zu joggen, ein unvergessliches Erlebnis.

Campingplatz am wunderschönen MelkbosstrandEine Warnung an alle Atomkraftgegner, nur ein Kilometer vom Campingplatz entfernt liegt das einzige Kernkraftwerk von Südafrika direkt am Meer. Mich hat's nicht gestört, ich lebe seit rund 14 Jahren nur rund 15 Kilometer vom KKW Biblis entfernt. Der Campingplatz macht übrigens einen sehr sauberen Eindruck und unser Rotel steht direkt vor den sanitären Anlagen, sehr praktisch. Dieser Eindruck hat sich übrigens bei allen anderen Campinganlagen, die wir besucht haben, fortgesetzt.

Kein Wunder, die Südafrikaner sind „passionierte“ Camper, gezwungenermaßen. Die meisten können es sich nicht leisten groß in Urlaub zu fahren. Und wohin auch, hier „am Ende der Welt“? Hier kann man nicht wie bei uns mal kurz nach Mallorca fliegen.

 Vielleicht nach Mauritius? Aber das ist ja bekanntermaßen eines der teuersten Reiseziele der Welt. Im Übrigen würde ich auch nicht groß wegfahren, wenn ich hier leben würde; das Land vereinigt alle Landschaftsformen und Klimazonen und ist ein Traum.

 Nebenbei sind die Südafrikaner auch leidenschaftliche „Griller“, was hier „Brai“ genannt wird. Kommt mir ganz entgegen. Betreibe ich auch bei uns den ganzen Sommer über, also auswandern?

 Heute, am ersten Tag im Rotel, sind eine Menge organisatorische Angelegenheiten zu erledigen, z.B. Geld wechseln, was sehr bequem ist. Das kann man direkt bei der Reiseleiterin erledigen. Sie nimmt auch nicht verbrauchte Devisen zurück. Briefmarken und einen „Briefkasten“ gibt es ebenfalls bei ihr, ein echter Rundumservice.

 Weiterhin erhält jeder einen roten Beutel (rot ist die Farbe der Firma Rotel) in dem die wichtigsten Utensilien zum Essen enthalten sind, wie Besteck, Becher, Frühstücksbrettchen, Teller und Küchenhandtuch. Doppelkabine im Rotelanhänger

 Heute ist auch  „Koffertag“! Bei Rotelreisen immer ein wichtiges Ereignis, denn man kommt nur alle drei Tage an seinen Koffer, der im Bus deponiert ist.

 Also ist genaues planen angesagt, was die nächsten zwei Tage benötigt wird. Diese Sachen aus dem Koffer wandern dann in die kleinere Tasche, die tagsüber in der Kabine und nachts im Vorzelt deponiert wird. Dieser Koffertag führte im Übrigen immer wieder bei dem einen oder anderen Mitreisenden zu regelrechten Nervenzusammenbrüchen. Auch gab es von Zeit zu Zeit regelrechte Revierkämpfe um den Platz für die Reisetasche im Vorzelt, typisch Deutsch.

 Am ersten Tag will auch die Kabine eingerichtet sein. An allen Ecken befinden sich Haken an den Wänden, an denen wir Stoffbeutel aufgehängt haben mit den wichtigsten Dingen für die Nacht oder den Abend. Der wichtigste ist wohl der Beutel mit dem Toilettenpapier, einem Stück Seife sowie einem Handtuch, denn Papier gab es auf den wenigsten Toiletten auf den Campingplätzen. Weiterhin haben wir alle Utensilien, die normalerweise im Nachttisch zu finden sind, in den kleinen Gepäcknetzen an den Wänden deponiert. Dort ist auch mein kleiner Weltempfänger, der den Kontakt nach Hause aufrechterhalten soll, untergebracht.

 Aber wohin mit dem Geld? Inge hatte schon im Bus darauf hingewiesen, dass für Diebstähle aus dem Rotel keine Versicherung aufkommen wird Also entschließen wir uns, das Geld auf uns beide aufzuteilen und am Körper zu tragen. Glücklicherweise haben wir uns mit Geldgürtel und Brustbeutel ausgestattet; eine wirklich lohnenswerte Investition. Den Geldgürtel, in dem die „großen“ Scheine deponiert waren, habe ich auch nachts nicht ausgezogen. Ein Tipp von einem Bekannten von mir, der schon fast die ganze Welt bereist hat.

 Die Hauptattraktion des Abends, mit großem Gedrängel, steht uns noch bevor – die Kabinenverteilung. Eigentlich unverständlich, denn jeder hat eine Kabine, aber der Deutsche hat es wohl im Blut zu drängeln. Wir ergattern eine Doppelkabine im 3. Stock direkt neben der Küche. Im nach hinein kann man nur empfehlen, solch eine Doppelkabine zwei Einzelkabinen vorzuziehen, denn so hat man doch mehr Möglichkeiten sich mal quer zu legen oder die Arme auszustrecken.

 Zum Abendessen gibt es das berüchtigte „Rotel-Überraschungssüppchen“ – eine in Wasser angerührte Maggisuppe und Toastbrot. Unsere Reiseleiterin Inge bei der Essensausgabe

Das kann es nicht gewesen sein. Es steht zwar so im Katalog aber so schlimm habe ich es mir nicht vorgestellt. So verhungere ich garantiert in den nächsten drei Wochen. Zur Erklärung, der Busfahrer ist auch der Koch. Ein echt harter Job, morgens der erste, der aufsteht, um das Frühstück vorzubereiten, teilweise 10 Stunden Busfahrt und abends wieder kochen für das Abendessen. Deshalb meine Frage, die ich immer wieder gestellt habe: Wollt ihr lieber einen guten Busfahrer oder einen guten Koch?

 Wir hatten einen sehr guten Busfahrer, jedoch am schlechten Essen änderte sich nichts. Aber das konnte mehr als genug durch die sehr gute südafrikanische Küche, die zudem sehr preiswert ist, wettgemacht werden.

Unsere Reiseleiterin, die übrigens gut und gerne gegessen hat, kannte die besten kulinarischen Stellen unserer Rundreise und wir hatten auch ausreichend Gelegenheit diese zu nutzen. Danke Inge. Dazu aber später mehr. Die Rotel-Küche soll aber nicht generell so schlecht sein, wie erfahrene Rotelianer in der Gruppe berichteten.

 Übrigens gab es tatsächlich Mitreisende, die sich drei Wochen von der Rotel-Küche ernährten, sichtlich ohne Mangelerkrankungen. Demnach muss die Firma Maggi doch die wichtigsten Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente ihren Pulversuppen beimischen, sonst hätten viele doch Mangelerkrankungen erleiden müssen, wie Skorbut oder Beriberi, so wie die Seefahrer im 15. Jahrhundert.

 Während des Abendessens im Freien beginnt sich ein furchtbares Gewitter zu entladen, was uns zur Flucht in die Bügelstube des Campingplatzes veranlasst. Mit 41 Personen, dicht gedrängt, schlürfen wir dort die Suppe– gemütlich – Rotel live.â??Gemütlichesâ?œ Abendessen in der Bügelstube

Vor dem Schlafen geht es in die Gemeinschaftsdusche und -toilette. Oh Gott, ich fühle mich an meine Bundeswehrzeiten zurückerinnert. Jedoch die sanitären Anlagen hier und auf den restlichen Campingplätzen  dieser Reise waren alle sehr sauber.

 Allerdings ist diese Art der hygienischen Aktivitäten für die meisten schon ein K.o.– Kriterium für eine Rotelreise und nicht alle Campingplätze in der Rotel-Welt sind so sauber und super ausgestattet, wie hier in Südafrika. Wir jedenfalls hatten uns sehr schnell mit dieser Situation abgefunden und in der Gruppe war die Rücksichtnahme so groß, dass es auch keine Probleme gab.

 Aber wie gesagt – die Ein- und Umgewöhnungszeit ist teuflisch, oder wie sagte Franz aus Sachsen, unser Mitreisender, der die Kabine unter uns hatte und schon erfahrener Rotelianer ist beim dicht gedrängten "Schlafanzug anziehen" im Vorzelt: „Die ersten drei Tage im Rotel hasse ich  immer wieder“.

 Mit knurrendem Magen geht es ins „Bett“. Vorher gibt es noch zwei bis drei Dosenbier, die der Busfahrer meist gut gekühlt für 2.- DM verkauft.

 Die erste Nacht in der „Rotel-Schlafhöhle“ ist die Hölle, neben uns liegt ein „Schnarschterrorist“, anders kann man es nicht ausdrücken. Auch Ohrenstopfen helfen kaum. Klopfen kann man nicht, da weckt man den halben Bus auf, also „Durchhalten“. Gut, die erste Nacht nach so einem anstrengenden Flug in einer anderen Umgebung ist für mich immer die Hölle, aber in dieser Nacht ziehen wir ernsthaft in Erwägung den nächsten Flug nach Hause zu nehmen.

 

3. Tag: Kapstadt und Tafelberg

 Um 5.30 Uhr ist die Nacht zu Ende. Die ersten Frühaufsteher sind schon zur „Morgentoilette“ unterwegs, allgemeine Unruhe macht sich breit. Die meisten Mitreisenden haben wohl schlecht geschlafen. Ein Umstand, der sich allerdings schnell geändert hat. Ich habe in den restlichen Nächten im Rotel so gut wie schon seit Jahren nicht mehr geschlafen. Eine Erfahrung, die auch viele andere Mitreisende gemacht haben. Woran das lag habe ich nicht herausgefunden.Frühstück unter der Vorzeltplane des Rotel

 Erwartungsfroh geht es zum Rotel-Frühstück. Aber das ist auch nicht besser als das Abendessen. Es gibt Toastbrot, Butter und zwei Sorten Marmelade, dazu Tee, Kakao und Pulverkaffee, der allerdings seinen Namen nicht verdient hat. Das änderte sich übrigens auch die restlichen drei Wochen nicht. Ich habe mir deshalb angewöhnt, nur meine mitgebrachten Müsliriegel zu essen und dann beim ersten Stop am Morgen gegen 10.00 Uhr richtig zu frühstücken. Gelegenheit hierzu gab es fast immer und fast immer hervorragend, mit Eiern, Speck und echtem Kaffee für wenig Geld (rund 4 DM).

Übrigens ist es wichtig bei Rotel auf alle Sachen, die man besitzt oder irgendwo liegen lässt, höllisch aufzupassen. Das lernten wir schon am ersten Tag, als uns eine Tasse und eine Alusitzkissen “abhanden“ kam. Später verschwanden noch mehr Sachen. Bei einer Dame, nennen wir sie Rafaela (kommt von „raffen“) tauchten die meisten Dinge wieder auf, oft mit großen Diskussionen, ein echter Fall für den Psychiater – Kleptomanin. So dumm kann keiner sein, dass ein „Diebstahl“ bei so einer kleinen Truppe nicht auffällt.

Die Dame war im Übrigen auch stets die letzte, wenn es nach einem Zwischenstopp weitergehen sollte. Der Gruppe muss man wirklich hoch anrechnen, dass sie nicht verprügelt wurde, alles wirklich tolerante, nette Menschen. Unglücklicherweise saß Rafaela direkt neben mir -  also Augen auf. Leider hat sie meinen schönen Rotel-Kugelschreiber und meinen Fotoapparat (unglaublich) „eingesammelt“ gehabt. Bei einer sehr gepflegten Mitreisenden, die in der Nähe von ihr die Schlafkabine hatte, mussten eine Bluse und ein paar Schuhe dran glauben. Auch ein Akku von dieser Dame verschwand mehrere Tage. Alles tauchte bei Rafaela wieder auf.

 Heute steht zunächst eine Stadtrundfahrt durch  Kapstadt auf dem Programm aber Inge unsere Reiseleiterin schlägt vor, einen Stadtrundgang vorzunehmen, was sich auch als sehr sinnvoll herausstellt. Wir starten gegen 8.00 Uhr, leider regnet es in Strömen und nicht wenige haben keinen Regenschutz dabei. Die Stimmung ist nach der schlaflosen Nacht und dem schlechten Wetter am Boden aber die Schönheiten dieser herrlichen Stadt entschädigen für alles, und im Laufe des Vormittags bessert sich das Wetter auch.

 In Erinnerung bleibt mir der Companys Garden, ein sehr schöner Stadtpark mit zutraulichen Eichhörnchen, wo der südafrikanische Nationalheld van Riebeck (Gibt es doch ein Gedicht, oder?) einen kleinen Garten angelegt haben soll. Ein von ihm eingepflanzter Birnbaum, aus dieser Zeit soll dort auch noch stehen. Weiter geht’s in die Fußgängerzone, alles sehr gepflegt und pikobello sauber.

 Nur auf seine Wertgegenstände und sein Geld sollte man immer aufpassen – auch in der Gruppe. Unvorsichtigerweise hole ich in der Fußgängerzone einen Stapel Dollars aus der Tasche. Ich habe mir angewöhnt, das Geld an mehreren Stellen und auf mehreren Taschen zu verteilen. Sofort stehen aus dem Nichts zwei halbwüchsige Schwarze vor mir und fordern „ihren Anteil“. Hier hilft nur energisches Verhalten. Unglaublich diese Dreistigkeit, hier wimmelt es nur so vor Polizisten.

 Ansichtskarten holen wir in einer deutschen Buchhandlung, wo es auch deutsche Zeitungen gibt - allerdings schon mehrere Tage alt.

Waterfront in KapstadtGegen Mittag geht es zur sog. Waterfront (www.waterfront.co.za), ein alter Hafen, der in den letzten Jahren zu einem wunderschönen Einkaufs- und Flanierzentrum umgebaut worden ist. In einem kleinen Juwelierladen kaufe ich einen Satz prägefrischer südafrikanischer Münzen für meinen Freund Klaus, der fanatischer Münzsammler ist. Die Münzen sind in einem wunderbaren Etui eingefasst. Auf dem Deckel ist das südafrikanische Wappentier in Metall angebracht, ein echtes Sammlerstück. Sehr nett ist, dass die Verkäuferin, wohl malaiischer Herkunft,  fast perfekt deutsch spricht. Sie gibt an 3 Jahre in Hamburg gearbeitet zu haben.

Wenige Meter entfernt tätigen wir auch die ersten Anrufe nach Hause. Silvias Mutter ist dermaßen über die gute Verbindung überrascht, dass sie nicht glauben mag, dass wir fast vom anderen Ende der Welt telefonieren. Das Gespräch kostet weniger als eine DM!

 Wir essen in einem portugiesischen Restaurant zu Mittag, das in Südafrika auch Tradition hat, denn Südafrika wurde ja bekanntermaßen von den Portugiesen entdeckt (www.tascadebelem.com).

 Wir genehmigen uns zwei riesige Fleischspieße (500gr), zwei große Bier vom Fass und zwei große Wasser für insgesamt 25 DM.

 Hier hätte ich es länger ausgehalten, direkt am Hafen, freundliche, aufmerksame Bedienungen, super Essen bei wunderschönem Sonnenschein, aber gegen 16.00 Uhr müssen wir schon wieder am Tafelberg sein.

 Zunächst gibt es noch Diskussionen, ob wir auf den Berg fahren sollen oder nicht, weil noch die Sonne mit den Wolken kämpft. Die Gefahr eines Reinfalls ist einigen Mitreisenden für rund 21 DM Fahrtkosten für die Kabinenbahn zu groß. Das waren übrigens die gleichen Personen, die auch sonst die ganze Reise über geizig waren ohne Ende. Aber wir haben uns dann doch durchgesetzt. Und wir haben Glück mit dem Wetter, die Wolke über dem Berg, die berühmte „Tischdecke“ verzieht sich für ein paar Stunden und wir sind auf einer der 10 bekanntesten Sehenswürdigkeiten dieser Welt, jawohl!

 Hier oben sind neben dem phantastischen Ausblick für viele die kleinen Klippschliefer die Hauptattraktion. Klippschliefer auf dem Tafelberg

Sie sehen aus wie kleine Murmeltiere, sind allerdings verwandt mit den Elefanten. Die kleinen Kerle haben gerade Junge bekommen und sind so zutraulich, dass sie sogar in die Taschen der Touristen klettern, um Fressen zu ergattern.

Nach zwei Stunden Aufenthalt auf dem Tafelberg geht es gegen 18.00 Uhr zum Signalhill, ein Aussichtspunkt auf dem die Kapstädter pflegen den Sonnenuntergang zu begehen. Ein wirklich herrlicher Ort und der Sonnenuntergang ist hier echt prachtvoll zu beobachten.

 Gegen 21.00 Uhr sind wir zurück. Heute Abend gibt es, wie bereits vorher angekündigt, kein  Essen - macht nichts, ich bin noch satt von heute Mittag. Ich genehmige mir noch ein paar Dosen Bier und falle dann totmüde ins Bett.

In der Nacht stürmt es so stark, dass wir unser kleines Kabinenfenster ganz schließen müssen, da wir mit dem Kopfende direkt dort schlafen.

Übrigens habe ich am Melkbossstrand so stark gefroren, wie sonst nicht mehr in ganz Südafrika; man merkt doch, dass hier der kalte Benguelastrom direkt aus der Antarktis vorbeifließt und der wird selbst im dicksten Sommer nie wärmer wie 16 Grad. 

 

4. Tag: Ausflug auf die Kaphalbinsel

 Langsam gewöhnt man sich ans Rotelleben. Früh, sehr früh aufstehen, fast keine Privatsphäre, Mannschaftsduschen und –toiletten alles kein Problem mehr. Unglaublich, wie schnell man auf fast alle Annehmlichkeiten der „Zivilisation“ verzichten kann.

 Nach dem „üppigen Rotelfrühstück“ geht es gegen 7.30 Uhr los auf die Kaphalbinsel. Erster Fotostop ist in Blomberg mit einem phantastischem Blick auf den berühmten Tafelberg. Heute ist der Himmel schon am frühen Morgen fast wolkenlos.

 Wir scheinen Glück zu haben, unsere Reiseleiterin Inge sagt, dass es in den Tagen vor unserer Ankunft in Südafrika sintflutartigen Regen gegeben hat und viele Brücken fortgeschwemmt wurden. Dies wird auch noch Auswirkungen auf die weitere Reiseroute haben.

 Zweiter Stopp in Simonstown, hier ist eine große Pinguinkolonie die große Attraktion (Eintritt rund 2,50 DM).

 Die Gegend hier ist wunderschön und erinnert an die Fjordlandschaften von Norwegen und wie gesagt alles super sauber.

 Gegen 11.30 Uhr erreichen wir das Kap der guten Hoffnung. Wir werden auf dem großen Busparkplatz herausgelassen und haben bis rund 13.00 Uhr zur freien Verfügung. Ein Teil der Gruppe entscheidet sich den Kapberg zu erklimmen. Hier steht ein Leuchtturm mit einer der stärksten künstlich erzeugten Lichtquellen der Welt.

 Wir ziehen es vor im Restaurant am Kapberg zu Mittag zu essen und werden nicht enttäuscht. Auf Anraten von Inge esse ich einen Warzenschweintopf und Silvia eine Seafoodterrine mit phantastisch frischen Meeresfrüchten. Wirklich reichhaltig und sehr schmackhaft, mit zwei Bier und zwei Wasser für weniger als 40 DM. Hier kann man es wirklich aushalten. Hinzu kommt auch noch der herrliche Ausblick, den dieses Restaurant bietet.

 Nachmittags geht es dann herunter zum Abstieg ans Kap. Mitten durch das Cape of good Hope Nature Reserve wandern wir durch eine wild romantische Landschaft mit einer beeindruckenden Flora.

 Überall wachsen und blühen Erika, Fresien, Geranien und die für die Kapregion bekannten Proteen.

 Übrigens ist die Kapregion eine der sechs Pflanzenregionen der Erde. Hier wachsen mehr Pflanzenarten als auf der gesamten nördlichen Halbkugel und die meisten sind endemisch, d.h. sie kommen nur hier vor.

 Bei herrlichen Wetter und rund 27 Grad werden die „Pflichtbilder“ am Kap gemacht und die Kaptaufe mit südafrikanischen Rotwein ist obligatorischAm Kap der guten Hoffnung

Weiter geht es nach Houtbay. Hier besteigen wir das Boot von Drumbeat Charter. Für rund 8 DM geht es raus zu den Robbenbänken. Ein eindrucksvolles Erlebnis mitten unter tausenden von Robben, aber auch ein Erlebnis für die Nase – bestialischer Gestank!

Gegen 18.00 Uhr sind wir wieder zurück. Vor dem Abendessen ist noch Zeit an den wunderschönen Melkbossstrand zu gehen und den Sonnenuntergang zu genießen. Zum Abendessen gibt es Geflügelcremesuppe (Maggi), gekochte Eier, Schmierkäse und Äpfel – echt üppig.

Ein wunderschöner Tag mit unendlich vielen Eindrücken geht zu Ende.

Zu erwähnen ist noch ein kleiner Vorfall am Abend. Wir haben noch etwas hinter dem Rotel auf unseren Bierbänken zusammengesessen und ein Bier getrunken, als die Frau aus der Kabine neben uns beim Einsteigen in den "3. Stock" abrutschte und bis ins Vorzelt fiel. Nur die Zeltplane hinderte sie daran bis auf den Tisch bei uns weiterzuplumpsen. Unverständlich auch, dass sich dieses nicht mehr ganz taufrische Pärchen - mit erheblichem Übergewicht (war übrigens der "Terrorschnarcher")  bei der Kabinenvergabe darum riss, ganz oben zu schlafen. Ich habe mich erst nach einer Woche an den nicht ganz ungefährlichen Einstieg in die oberste Region unseres Rotels gewöhnt, obwohl ich jederzeit noch 20 Klimmzüge schaffe.

 Der Frau ist übrigens nichts passiert. Obwohl ich sofort um die Ecke geflitzt bin, um zu helfen hat sie ihr Begleiter schon wieder in die Kabine geschoben gehabt. Die Frauen an unserem Tisch haben sich allerdings den ganzen Abend nicht mehr einbekommen und hatten am nächsten Tag Muskelkater im Bauch vom Lachen.

 

5. Tag: Ausflug in die Weingegend um Kapstadt

 Heute geht es wieder früh los. Die Rotelianer sind meist die ersten vor Ort, bevor die großen Touristenströme einfallen und das ist gut so. Wir besuchen heute die nähere Umgebung von Kapstadt.

 Stellenbosch, die zweitälteste Stadt Südafrikas ist erster Anlaufpunkt. Große Teile der kleinen Stadt wurden im kapholländischen Stil erhalten, eine einzige Augenweide – man kann nicht glauben, dass man in Afrika ist.Stellenbosch

  Zunächst besuchen wir das Dorfmuseum (Eintritt rund 2,50 DM). Mit der Eintrittskarte kann man mehrere Häuser besuchen, die über die ganze Stadt verteilt sind. Die Gebäude spiegeln Glanz und Gloria der holländischen Herrschaft vergangener Zeiten wieder. Alles vermittelt einen höchst gepflegten, beruhigenden Eindruck mit sehr schönen Gärten, in denen alles blüht und gedeiht.

 In der Stadt trifft man Menschen aller Hautfarben, die sehr freundlich und zuvorkommend sind – hier lässt es sich aushalten, man fühlt sich wie zuhause. In der Touristeninformation werden wunderschöne Guesthouses in traumhafter Landschaft vermittelt, meist mit „Bed and Breakfast“.

Hierher komme ich auf alle Fälle wieder, ohne Zeitdruck.

 Das Mittagessen nehmen wir im indischen Pancake Restaurant „De Soete Inval“ (5 Van Ryneveld Street / Ecke Dorpstreet) ein. Das Restaurant wurde uns von einem freundlichen Polizisten empfohlen und es hat sich wirklich gelohnt. Für zwei Portionen Pfannkuchen mit Bananen und Zimtäpfeln (köstlich) zwei Filterkaffee und eine Cola bezahlen wir rund 12 DM.

 Leider wird einem Mitreisenden beim Geldbesorgen am Automaten durch zwei Schwarze die Karte gestohlen. Also aufgepasst in Südafrika. Aber der Vogel ist auch selbst schuld, unsere Reiseleiterin wechselt uns doch das Geld völlig risikolos!

 Es geht weiter zu einem der bekanntesten Weingüter Südafrikas, das Weingut Nederburg in der Nähe von Stellenbosch.Weingut Nederburg

Hier wird uns eine schmackhafte Weinprobe kredenzt (fünf Weine und ein Cognac, rund 6,50 DM). Die nette Dame, welche die Verköstigung vornimmt, schaut etwas besorgt in das eine oder andere Rotelianer-Gesicht und spricht später Inge auf die teilweise feuerroten Köpfe der "Urlauber aus Germany" an. Tja, die Sonne hier unten ist brutal, wir haben dicksten Sommer. Die freundliche Dame empfiehlt dann noch "Fenistil Gel" gegen den Sonnenbrand und entlässt uns dann zur Gutsführung. Geholfen hat's übrigens nicht viel, die gleichen Leute haben sich immer wieder "verbrannt".

Fast alle schlagen abschließend beim Weinverkauf zu. Verständlich, hier bekommt man Spitzenweine zu Spottpreisen. Die “Strafzölle” der EU treiben nun mal den Preis für den Endverkäufer bei uns schön in die Höhe. Besonders zu empfehlen sind die Trockenbeerenauslese für rund 7 DM und ein herrlich milder Weinbrand, der den Vergleich zu einem Spitzencognac aus Frankreich nicht zu scheuen braucht - für schlappe 12 DM.

 Bei fast 35 Grad und wolkenlosem Himmel, aber angenehm trockener Luft verlassen wir das Weingut in herrlicher Landschaft etwas wehmütig, auch hier könnte man viel länger bleiben.

 Den Abschluss des Tages bildet noch der Besuch des Sprachenmonumentes in der Nähe von Paarl. Hier haben die Verfechter der Afrikaanssprache sich ein eigenes Denkmal gesetzt.

 Nach meiner Meinung ist es recht hässlich geraten, ein grauer Betonklotz, der wie ein Daumen in den Himmel ragt. Inge hat wieder eine ganze Reihe Erklärungen zu diesem Mahnmal, aber sie nimmt das Ganze auch nicht so recht ernst. Auf alle Fälle hat man von hier oben einen tollen Ausblick auf die wunderschöne Weingegend rund um Stellenbosch.

Zum Abschiedsessen auf dem Campingplatz bei Kapstadt gibt es Fleischbällchen in Paprikasoße (Peri-Perisoße, eine spezielle indische scharfe Soße, fand in den meisten Speisen bei uns lebhafte Verwendung), dazu Rote-Beete- Salat (aus dem Glas) und Reis also insgesamt - im Vergleich zu den Vorabenden - ein Festessen.

  

6. Tag: Abschied vom Kap

 Heute heißt es Abschied nehmen von der Kapregion und unserem inzwischen Lieb gewonnenen Campingplatz. Wir benötigen rund 30 Minuten um das Rotel „abzuschlagen“ und alle unsere Utensilien im Rotelanhänger zu verstauen. Für das erste mal eine ganz ordentliche Zeit.

 Um 7.30 Uhr geht es los Richtung Outshoorn. Heute steht uns eine der längsten Etappen bevor, rund 500 Kilometer und das erstmalig mit unserem gesamten Gespann, insgesamt 23 Meter lang, 17 Tonnen schwer und mittlerweile 11 Jahre alt. Und egal wo wir mit unserem Rotel auftauchten, wir sorgen für große Aufregung.Garten zum Verweilen in Montague

Unser Weg führt uns geradewegs durch die sogenannte Kleine Karoo, eine relativ trockene Gegend, die bewässert werden muss, aber wieder eine gute Weingegend sein soll. Es geht durch malerische Schluchten nach Montague.

 Hier gibt es viele Häuser im kapholländischen Stil. Wir besuchen bei wunderbarem Wetter  - um die 30 Grad - das älteste Haus des Ortes, das Joubert Haus.

 Hier müssen wohl sehr reiche Leute gewohnt haben. Mir gefällt der schöne, blühende Naturgarten mit vielen duftenden Kräutern besonders gut.

Nadine und Bianca, zwei junge Krankenschwestern aus München mit starkem Berliner Akzent, kaufen bei einem Straßenhändler mindestens 5 Kilo frische Aprikosen für weniger als 2 DM. In dieser Gegend befindet sich übrigens auch das größte Obstanbaugebiet von Südafrika und unsere Frühstücksmarmelade soll angeblich auch von hier herkommen.

Weiter geht es auf der gut ausgebauten Landstrasse. Gegen 12.15 Uhr halten wir an einem kleinen Rastplatz an, um einen Imbiss einzunehmen. Inge und Sepp bereiten uns eine bayerische Brotzeit mit Leberkäse, süßer Senf, Gurke und kühlem Bier zu. Ab und zu kommt doch das  bayerische Reiseunternehmen zum Vorschein.

Bianca und Silvia nehmen die Gelegenheit wahr, der Frau des "Schnarschterroristen" neben uns in der Rotel-Kabine mal die Meinung zu sagen. Bianca ist genauso betroffen, wie wir, sie hat die Kabine auf der anderen Seite und hat schon mehrere Tage nicht geschlafen – da steigt der Zorn langsam ins Unermessliche. Die gute Frau gibt sich ganz betroffen, aber sie sagt dass sie ihren Mann ja nicht die ganze Nacht aufwecken kann, wenn er schläft. Toll, Hauptsache der Typ schläft gut.

 Ich habe mich übrigens nach 2-3 Tagen an die ganze Geräuschkulisse gewöhnt. Ungewöhnlich, denn es gibt ja nicht nur die Schnarcher, sondern die halbe Mannschaft läuft fast die ganze Nacht zur Toilette.

 Gegen Abend erreichen wir Outshoorn, die größte Stadt der Kleinen Karoo und das selbsternannte "Weltzentrum der Straußenzucht".

 Zunächst fahren wir auf den örtlichen Campingplatz. Und dieser spiegelt den Eindruck wider, den wir von dieser kleinen Stadt gewonnen haben – alles ist sauber, die Häuser und Anwesen dieser perfekt gepflegten Stadt sind alle wie aus dem Ei gepellt. Ich behaupte, selbst in der Schweiz ist es nicht so sauber und ordentlich wie hier.

Der Rasen auf dem Campingplatz würde selbst dem in Wimbledon standhalten, man traut sich fast nicht draufzutreten. Unsere Reiseleiterin Inge sagt, dass hier in Südafrika der Satz: „Betreten verboten“ in „Betreten erwünscht“ geändert wurde – und das ist wirklich wahr, selbst auf dem Rasen vor dem südafrikanischen Parlament liegen die Leute auf dem Rasen mittags in der Sonne.

 Natürlich gibt es auch hier auf dem Campingplatz wieder einen Swimmingpool, vor jedem Chalet befindet sich ein großer Grill und sogar ein kleiner Tierpark mit Straußen ist dem Platz angeschlossen. Eine ruhige Hand ist alles

Nachdem wir das Nachtlager aufgeschlagen haben geht es weiter zum Höhepunkt des Tages und ich behaupte auch einer der ganzen Reise. Der Besuch einer Straußenfarm.

Die Farm ist eine der größten im ganzen Land mit 1.700 ha und fast 2.200 Tieren. Hier gibt es zunächst ein kurzes Besucherprogramm mit einer Führung durch einen sehr netten weiblichen Guide.

Die junge Dame spricht übrigens sehr gut Deutsch und hat auch ein paar gute Sprüche drauf: “Die Straussendamen haben leider nur ein sehr kleines, 40 Gramm schweres Gehirn. Deshalb die Damen mit den blonden Haaren aufgepasst. Die Straußen könnten ihren Kopf mit einem Ei verwechseln. Die setzen sich dann drauf und brüten 6 Monate lang“.

Eine ganz neue Erfahrung ist es ein echtes Straußenei in der Hand zu halten, es hat immerhin die Größe von 40 normalen Hühnereiern und eine sehr dicke Schale.

Anschließend gibt es noch zur Belustigung aller ein Straußenrennen. Hierbei dürfen allerdings nur Personen die Strauße „reiten“, die weniger als 70 Kilo wiegen. Aus Tierschutzgründen ein wohl sehr zweifelhaftes Vergnügen.

Zum Abschluss dieses wunderschönen Tages gibt es ein tolles Barbecue (Brai) im Freien mit einem üppigen Grillteller (Straußensteak, Hühnchen, Schafswürstchen, Straußenomelett, Kartoffeln, Maiskolben, Salat, Wein, Säfte alles zusammen für rund 22 DM, die Führung kostete rund 5 DM). Grillfest auf der Straußenfarm

Barbara unsere älteste Teilnehmerin bemerkt hierzu: "Was ist das für ein weißes Fleisch hier auf dem Teller (natürlich Hühnchenfleisch). Haben die vielleicht nen Buren (Afrikaans= Bauer, holländischer Herkunft) geschlachtet". Barbara hatte im hinteren Teil des Busses übrigens regelmäßig für Lachsalven mit ihren trockenen Sprüchen gesorgt.

 

 Wir genießen den herrlichen Sonnenuntergang über den Swartbergen und schwärmen noch lange vom guten Straußenfleisch, das gesund, fettarm und sehr eiweißreich sein soll. Den Abend beendet ein Chor von Bediensteten der Farm. Die Sangeseinlage, die wirklich gut gelungen ist, wird obligatorisch durch die südafrikanische Nationalhymne beendet, bei der alle aufstehen müssen.

 

7. Tag: Von Outshoorn nach Plettenberg

 Schade, heute geht es schon weiter. Wir verlassen diesen wunderschönen Campingplatz mit viel Atmosphäre in diesem sehr gepflegten Städtchen.

 Schon früh geht es los zu den sog. Cangoo Caves. Die Cango Caves sind eine der größten und eindrucksvollsten Tropfsteinhöhlen der Welt. Zusammen mit den Straußenfarmen zählen sie zu den 10 meistbesuchten touristischen Attraktionen in Südafrika und sind nur 10 Minuten von unserem Campingplatz entfernt. Glücklicherweise sind wir wieder mal die ersten, kurz nach 8.00 Uhr (Eintritt rund 8 DM).

 Im Jahre 1780 wurden sie durch einen Hirten entdeckt, der ein verlorenes Schaf suchte. Mit dem Lehrer des Ortes kam er wieder, und sie gingen bei Kerzenschein 100 Meter bis an den Rand einen “bodenlosen Brunnens” - wie sie es nannten - hinein. Die nächsten Jahrzehnte waren geprägt von weiteren spektakulären Entdeckungen, bis im Jahre 1891 die Höhle offiziell als Touristenattraktion freigegeben wurde. Seit 1928 erzeugt eine Dieselanlage Strom.

 In der Zwischenzeit sind mehrere Höhlen hintereinander entdeckt worden, doch nur Cangoo 1 ist für die Besucher offen. Leider gibt es nur geführte Touren. Die Namen der einzelnen Höhlenkammern lassen uns Schauer über den Rücken laufen: Teufels Schornstein, Eisraum, Sarg, Teufelswerkraum, des Teufels Küche und sein Briefkasten. Doch auch Namen wie: Thronsaal, Grand Hall, Rheumatunnel, Kristallpalast und die Minen des König Salomon geben uns "Höhlenforschern" Rätsel auf.

 Die Akustik ist in den Höhlen erstaunlich gut. Hier haben bis vor wenigen Jahren Konzerte mit weltbekannten Künstlern stattgefunden. Eine Mitreisende, die mal im Chor gesungen hat, stimmt die Strophe eines Kirchenliedes an. Später erhielt diese von uns den Spitznamen "Sweet Potatoe", da die ältere Dame in fast jedem Restaurant Süßkartoffeln essen wollte, und sich von unserer Reiseleiterin nicht überzeugen lassen wollte, das diese in Südafrika genauso selten sind, wie in Grönland.

 Für mich selbst sind allerdings die Cuevas de los Verdes auf Lanzarote weitaus beeindruckender, aber Roland unser Höhlenguide, gebürtiger Deutscher aus der schwäbischen Alp, der seit rund 10 Jahren in Südafrika wohnt (und glücklich mit einer Südafrikanerin verheiratet ist), bereichert die Führung mit seiner lauten und klaren Stimme.

Vom Entertainment, das er geboten hat, könnte er locker bei "Gottschalk" auftreten.

 Im Restaurant der Höhlenanlage nehme ich mein obligatorisches Frühstück ein. Eier mit Speck, Toast, Würstchen, Pommes, Filterkaffee, Wasser, zusammen rund 5 DM.

 Gegen 11 Uhr geht es weiter in Richtung auf die weltberühmte Gardenroute. In der Nähe der Outeniqua-Berge machen wir Stop in einer kleinen Provinzstadt, um Besorgungen für das Abendessen zu erledigen. Vorher klärt uns Inge noch darüber auf, dass wir bettelnden Kindern keinesfalls Geld geben sollen, da dies wie sie sagt: " Den Charakter verdirbt". Ich für meinen Teil denke, dass es weitaus schlimmer ist, wenn sich die Kinder in der Stadt rumdrücken, nicht zur Schule gehen und abends dann noch mehr Geld nach Hause bringen als ihre Eltern, die den ganzen Tag gearbeitet haben.

 Hier setzt sich doch der verhängnisvolle Kreislauf in Gang mit fehlender Schulbildung – Verarmung – Kriminalität u.s.w. unter dem große Teile Afrikas leiden.

 Leider halten sich einige der Mitreisenden doch nicht an die Abmachung. Ich erkläre mich bereit, vor der Abfahrt den Hintereingang des Busses mit grimmiger Mine zu bewachen. Hinter mir fliegen die Geldstücke auf die Straße. Auf Grund dieses Vorfalles hält Inge noch einmal eine wirklich gute Rede und stellt die "Übeltäter" in den "Senkel". Mit Erfolg, zukünftig gibt es von unserem Bus nur noch "Naturalien" – bis auf wenige Ausnahmen. Aufbau des Nachtlages

Ich habe in der Stadt übrigens unseren Beutel Äpfel (war für "Zwischendurch" gedacht) an die Straßenkinder verschenkt – dumm geguckt haben sie alle aber weggeworfen hat den Apfel niemand, wie mir Inge prophezeit hatte.

 An dieser Stelle will ich auch mal was zu unserer Reiseleitung Inge und Sepp sagen. Inge habe ich schon einmal kurz erwähnt. Sie ist sehr resolut, obwohl eine kleine Person, aber ich denke man muss ein gewisses Durchsetzungsvermögen haben, um so einen "Sauhaufen" wieder gesund nach drei Wochen nach Hause zu bringen. Dies ist übrigens keine Redensart; im vorhergehenden Jahr ist eine Mitreisende beim Aussteigen aus dem Bus überfahren und tödlich verletzt worden. Das hatte ich auch in unserem Bus vorausgesagt, da es doch einige "Blindgänger" beim Aus- und Einsteigen gab, z. B. eine Dame, gar nicht mal so alt, der wir den Spitznamen "Grüne Hose" gaben, da sie in den drei Wochen nur eine – die grüne Hose eben - anhatte.

 Auf Inge zurückzukommen  - auf grund ihrer Art war sie nicht bei allen Mitreisenden beliebt. Ich habe immer gesagt, dass Männer mit selbstbewussten Frauen oft ihre Probleme haben – und Frauen erst recht, da sie deren herkömmlichem Bild des "unterwürfigen Weibchens" so gar nicht entsprechen. Tja, und Inge trat sehr selbstbewusst auf (harte Schale.......).

 Wir hatten mit Inge überhaupt keine Probleme, ganz im Gegenteil, wir haben mit der Zeit sogar ein recht herzliches Verhältnis zu ihr bekommen und oft kamen einige mehr zurückhaltende Reisende auf zu uns und fragten: "Du, Ihr könnt doch ganz gut mit der Inge, fragt sie doch mal, ob ...“. Klar haben wir gerne, war doch ein ganz sympathischer Haufen.

 Bei so einer langen Reise, mit teilweisen Transferstrecken bis zu 600 Kilometern, ergeben sich oft auch langweilige Phasen, trotz überwältigender Landschaften. Hier war wieder Inge gefragt und sie hat auch diese Phasen verstanden beispielhaft zu meistern. Erklärungen zu Land, Leute, Wirtschaft, Politik und natürlich zu den Rassenproblemen in dem Land, das bis vor wenigen Jahren durch die Apartheid (Begriff aus dem Afrikaans und bedeutet Rassentrennung) geprägt war.

Aber auch fachkundige Ausführungen zur einmaligen Flora und Fauna dieses Landes waren bei unseren Exkursionen keine Seltenheit. Am meisten aber haben die Geschichten gefallen, die Inge rund um die Menschen erzählte aus den Gebieten, die wir  "kreuzten". Später werde ich noch auf die Geschichte des armen Pfeifenmachers des Stammes der Khosa zurückkommen.

 Zu Sepp unserem 60 Jahre alten Fahrer aus dem Bayrischen Wald ist zu sagen, dass er uns souverän gesund durch ein Land manövriert, in dem pro Jahr fast 10.000 Menschen im Straßenverkehr sterben und das bei nur 43,8 Mio. Einwohnern. Auch so manche Panne hat er fachmännisch mitten in der Wildnis bewältigt. Sepp, alles Gute in Deinem wohlverdienten Ruhestand – hoffentlich wird dir der Ruhestand nicht langweilig nach 30 Jahre "Zigeunerleben" bei Rotel.Koch und Fahrer Sepp

Gegen 14.00 Uhr machen wir Mittag auf einer Autobahnraststätte zwischen George und Knysna. Im Schnellrestaurant "Wimpy" kann man auch wieder recht gut essen, obwohl ich sonst nicht ein Fan von "Fastfood" bin muss ich sagen, dass es mir hier in Südafrika gut geschmeckt hat – liegt wohl auch an den frischen und gesunden Produkten, die dort Verwendung finden.

Gegen 16.00 Uhr treffen wir auf dem Campingplatz "Dune Park Plettenberg Bay" ein. Plettenberg Bay ist sicherlich der beliebteste Badeort in Südafrika. Das verdankt er in erster Linie seiner wunderschönen Lage und den kilometerlangen weißen Sandstränden. „Plett'“, wie es die Südafrikaner nennen, ist ein Paradies für Wassersportler und Naturliebhaber. Hinzu kommt ein großes Angebot an Unterkünften, Unterhaltungsmöglichkeiten und Restaurants für jeden Geldbeutel.

Bevor wir ankommen durchfahren wir auf der Autobahn noch ganz wilde Townships, wie ich sie dann allerdings auf der restlichen Reise in diesem Zustand glücklicherweise nicht mehr gesehen habe. Das Wohnungsprogramm, das Nelson Mandela noch zu Zeiten seiner Amtszeit begonnen hat und jährlich hunderttausende, wenn auch einfache, Wohnungen entstehen lässt, zeigt wohl seine Wirkung.

Am Campingplatz angekommen freuen sich alle auf einen ganzen Tag Freizeit. Die Frauen beginnen sofort schmutzige Wäsche zu  waschen. Auf einer Rotelreise ist das wohl das größte Problem – und dann wo und wie trocknen? Leider ist es heute auch noch den ganzen Tag bewölkt und die Wäsche hat hier am Meer so überhaupt keine Chance. Ich haue mich eine  Stunde in die Kabine, sonst auf unseren früheren Reisen fast ein Ritual, die Siesta am Nachmittag, hier zum ersten Mal – und ich schlafe wie ein Murmeltier.

 Zum Abendessen gibt es Bohnensuppe oder irgendetwas in der Art; nach Meinung aller war dies mit Abstand die schlechteste Suppe der Reise. Die als Zugabe mitausgeteilten Sardinendosen in Tomatensoße landeten später auf der Reise bei Einheimischen, die unseren Bus belagerten – und die haben sich darüber richtig gefreut. Wir entschließen uns nach dem enttäuschenden Abendessen noch in das kleine Restaurant am Campingplatz zu gehen. Doch hier ist man recht unfreundlich – allerdings das erste und einzige Mal auf der Reise.

 Die Besitzerin "rutscht" ihrem bestimmt 10 Jahre jüngeren "Lover" auf dem Schoß rum (wie ne 14 jährige) und kümmert sich nicht die Bohne um uns. Also "leck....“ .

 Wir gehen mit knurrenden Mägen runter zum Strand, wo uns auf den vom Strand vorgelagerten Dünen ein herrlicher Aussichtspunkt auf Plettenberg in der Abenddämmerung erwartet.

 Weit entfernt über dem Indischen Ozean bauen sich mächtige Gewitterwolken auf, die nach Blitzentladungen leuchten wie riesige Lampions. Eine Atmosphäre, die unbeschreiblich ist. Von der überaus romantischen Atmosphäre inspiriert kommen sich schon die ersten "Einzelreisenden" etwas näher. Na also, war doch zu erwarten, bei rund 60% Alleinreisenden in der Gruppe – ich gönne es ihnen.

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