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21. Tag (Durch drei Länder im Herzen Afrikas)
Kilometerstand: 84.270.
In dieser Nacht ist die erste ernsthafte Abwehrschlacht gegen Malaria geführt worden. Da hiess es vor der Abenddämmerung einsprühen, lange Ärmel und Hosen, Mückenschutznetze in den Kabinen und eine Stunde vor dem Schlafengehen auch die Kabine gründlich aussprühen. Alles nach Anweisung von unserem Reiseleiter und ohne Malariaprophylaxe - ein wenig mulmig ist uns da schon.
Wir brechen schon früh um 7.00 Uhr auf. Da heißt es um 5.00 Uhr aufstehen. Heute ist der Tag der Grenzen. Zunächst fahren wir durch die Grenzstadt Ngoma nach Botswana in den Chobe Nationalpark (http://www.zambezi.co.uk/safari/botswana/chobe.html), der direkt hinter der Grenze beginnt. Die Grenzformalitäten sind problemlos und die Grenzer sind sehr freundlich. Die größte Attraktivität des Parks, den wir jetzt durchfahren, besteht in seinem riesigen Elefantenbestand. Die Chobe-Elefanten gehören zu einer Gruppe, die in sich als die größte überlebende Elefantenherde der Erde gesehen werden kann. Dieser Bestand lebt im nördlichen Botswana und Nordwest-Simbabwe und zählt zurzeit etwa 100 000 Tiere.
Wir fahren auf einer hervorragend ausgebauten Strasse durch den Park, der mich eher an einen englischen Garten erinnert. Kein Wunder, Botswana ist eines der reichsten und stabilsten Länder von Afrika und wird auch die „Schweiz Afrikas“ genannt. Hier lassen sich angeblich die eindruckvollsten Safaris durchführen, insbesondere im riesigen Okavango-Delta; allerdings auch zu saftigen Preisen, die sich eigentlich nur noch Amerikaner leisten können. Apropos Amerikaner. Die sind hier stark vertreten, auch politisch. Seit Präsident Clinton in seiner Amtszeit hier seinen Besuch abstattete haben die Amis Botswana sozusagen als ihren Flugzeugträger in Afrika auserkoren. In der Nähe der Hauptstadt Gabarone wurde ein riesiger Flugplatz gebaut, wo gemunkelt wurde, dass er, bei einer gewalttätigen Machtübernahme der Schwarzen in Südafrika, als Hauptstützpunkt dienen sollte, um die Weissen auszufliegen. Glücklicherweise kam dank Nelson Mandela alles anders.
Nur rund 50 km weiter geht es schon wieder über eine Grenze nach Simbabwe. Wir sind gespannt, da man ja nichts Gutes über das Land hört und dies bestätigt sich leider. Jeder von uns muss 30 US Dollar Einreisegebühr bezahlen. Ausserdem muss Freddy eine separate Versicherung für unseren Bus abschließen, was ganz neu ist, wie er sagt und er schäumt vor Wut darüber – wie hoch die Summe war hat er nie gesagt. Aber es geht noch lange nicht weiter, erst nachdem noch ein ehrklägliches Sümmchen Bestechungsgeld geflossen ist geht es weiter. Wenn ein Staat pleite ist, dann greift er wohl zur Wegelagerei. Uns ergeht es allerdings noch relativ gut. Ein französisches Pärchen, das mit uns hier eintrifft, wird fast einen Tag festgehalten und schikaniert, bis die beiden fast pleite weiterfahren können. In Victoria Falls werden wir die beiden wiedertreffen.
Von der Grenze aus sind es nur 2 Stunden bis Victorias Falls (http://www.victoriafalls.biz). Der Ort, einst einer der bekanntesten und reichsten Urlaubsziele auf der Welt überhaupt, macht einen heruntergekommenen Eindruck. Nur noch die grossen Hotels, wie das Victoria Falls Safari Lodge oder das Ilala Lodge ragen wie Trutzburgen aus einem Meer von Chaos und Bestechung. Überall lungern jugendliche Schwarze und dubiose Geldwechsler herum, die nur darauf warten, dass wir aus dem Bus steigen.
Ein weiterer Tiefschlag erwartet uns als wir erfahren, dass wenige Tage vor unserem Eintreffen alle privaten Geldwechselbüros - und dazu gehören auch die Rezeptionen bei den Hotels -"über Nacht" verboten wurden. Da jetzt Samstag ist und die Banken geschlossen haben stehen wir ohne Bargeld da. Weiterhin gilt nur der offizielle Kurs von 1:55 und nicht mehr der frühere von 1:900. D.h. die Waren und Dienstleistungen verzwanzigfachen sich für uns faktisch. Verhältnisse wie im Ostblock in den 60ern.
Nachdem wir das Rotel auf dem Campingplatz mitten in „Vic-Falls“ aufgebaut haben machen wir uns auf den Weg eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken – insbesondere das letztere wird langsam notwendig, die Temperaturen pendeln momentan um die 40 Grad.
Noch leicht verunsichert von der eben geschilderten Situation steuern wir, ständig belästigt und begleitet von schmierigen Geldwechslern und Bettlern, das Ilala Lodge Hotel an, einer der besten Adressen hier im Ort und von Werner empfohlen.
Die Atmosphäre hier ist traumhaft, alles sauber, gepflegt, sehr nettes Personal, ein traumhaft blühender Garten.
Was für ein Kontrast. Ich gehe hier nicht mehr weg, denke ich mir! Für 3 kalte Getränke und einen Geflügelsalat bezahlen wir 5.500 Simbabwe $. Nach dem offiziellem Umtauschkurs wären das 100 US $, teurer Spaß, wie weiter? An der Rezeption wird uns nun ein so genannter Hauspreis gemacht, der den Preis auf letztendlich 9 US $ reduziert, das ist in Ordnung und mit der Kreditkarte können wir auch noch bezahlen. So kann das unsinnige Dekret der Regierung von Simbabwe umgangen werden und wir kommen bestimmt wieder.
Andere Mitreisende haben nicht das gleiche Glück wie wir und bezahlen im Victoria Falls Hotel für ein Stück Kuchen und zwei Kaffee 21 US $ - es herrscht hier das absolute Chaos.
Als weitere negative Überraschung verkündet uns Werner, dass der Eintritt für die Folklorevorstellung am Abend von 10 auf 20 US $ angehoben worden ist, Fotoapparate und Filmgeräte müssen noch extra bezahlt werden. Wir machen diese totale Abzocke nicht mit und bleiben den Abend beim Rotel. Freddy macht an diesem Abend eines seiner besten Geschäfte mit dem Verkauf von Getränken. Zum Abendessen gibt es einen leckeren, vegetarischen Nudelsalat bei Freddy.
22. Tag (Die unglaublichen Victoriafälle)

Ich bin schon um 4.30 Uhr wach. In der Schlafkabine ist es fast unerträgliche heiss, 30 Grad – nachts. Was tun? Es ist schon hell, keiner ist wach, es gibt keine Zeitung, also ziehe ich meine Joggingschuhe an und laufe in Richtung Zambezi-Nationalpark. Unvermittelt befinde ich mich mitten im Park. Kein Zaun, keine Kontrollen, aber hin und wieder ein Schild, das vor gefährlichen Tieren warnt. Also werfe ich, so aufmerksam wie noch nie im Leben, nach jedem dritten Schritt einen Blick nach hinten. Ein Löwe könnte mich ja für ein flüchtendes Tier halten.
Wie mitten im Regenwald fühlt man sich, wenn man die vielen verschlungenen Wege um die Fälle herum durchstreift. Flechtenbehangen stehen überall grosse Bäume. Wie z.B. der „Big Tree“, ein gewaltiger Baobab-Baum mit einem Umfang von über 20 Metern, der von einem Parkwächter bewacht am Wegesrand steht. Nach einer Stunde bin ich wohlbehalten und unbelästigt von wilden Tieren und aufdringlichen Strassenhändlern, die so früh noch keine Touristen erwarten, zurück.
Heute steht uns fast ein ganzer Tag zur freien Verfügung, um die Victoriafälle ausgiebig besuchen zu können. Eigentlich war von Rotel-Tours ein sehr viel längerer Aufenthalt in Simbabwe geplant gewesen. So hätten wir eigentlich auch noch die Ehrfurcht einflössenden Ruinen von Zimbabwe, in der Nähe von Masvingo, ca. 240 km südlich von Harare, besuchen sollen, die 1871 vom Deutschen Carl Mauch entdeckt wurden und noch heute die Forscher vor große Rätsel stellen.
Allerdings wurde das von der Reiseleitung in Deutschland aus Sicherheitsgründen abgesagt. Aber so ein Super-Highlight wie die Victoriafälle kann ein Reiseunternehmen auf so einer Reise nicht auslassen.
Am Abend vorher hatten wir noch mit der Reisegruppe von Rotel Kontakt gehabt, die mit einem Abstand von einem Tag vor uns diese Reise durchführt. Wir können demnach noch ganz froh mit unseren Umständen sein. In der anderen Gruppe scheinen noch größere Chaoten und Eigenbrödler zu sein als bei uns. Auch scheint die Verpflegung dort nicht im Entferntesten an Freddys gute österreichische Küche heranzukommen – von wegen bayerische Schmankerl. Auch der Bus der anderen Gruppe macht keinen guten Eindruck - nichts im Vergleich zu unserem 3-Achser Allrad mit gerade mal 80.000 km, was für ein Fahrzeug mit diesen Anforderungen fast neu ist.
Wir werden von der anderen Gruppe auch noch dringend vor den dubiosen Geldwechslern gewarnt. Einige Mitreisende dort wurden ganz schön übers Ohr gehauen und mit unter die Geldstapel gemischtem Klopapier ausgetrickst. Ganz zu schweigen davon, dass das mittlerweile verboten ist und man in diesem korrupten Land schnurstracks in einer Gefängniszelle "auf Nimmerwiedersehen" verschwinden könnte.
Nach einem verspäteten Frühstück machen wir uns gegen 8.00 Uhr auf den Weg zu den Fällen. Rotelianer sind immer die Ersten an den Sehenswürdigkeiten in aller Welt und das soll auch so bleiben. Wir entscheiden uns für die Seite von Simbabwe, wo man die Fälle jetzt im Sommer mit weniger Wasser besser sehen kann. Für 20 US $ Eintritt bekommt man ein absolut unbeschreibliches Erlebnis zu sehen. Hier stürzt der Sambesi an einer 1.700 Meter breiten Kante aus Basaltgestein 100 m tief in eine enge Felsschlucht hinab, 550 Millionen Liter pro Minute! Man hört das Wasser im Januar bis Anfang Mai, also in der Regenzeit, schon am Flughafen in 20 km Entfernung! In dieser Zeit sieht man allerdings die Fälle wegen des Wasserdampfs kaum noch.
David Livingston, gezeichnet von unsagbaren Strapazen und vielen Krankheiten sowie einer fast nicht enden wollenden Reise, kam als erster Europäer hier an. Er benannte die Victoria Fälle nach der damaligen Königin von England, während die Einheimischen längst einen treffenderen Namen hatten: mosioa-tunya - "Donnernder Rauch". Er schrieb damals in sein Tagebuch: "Das Erste, was man aus einer Entfernung von etwa zwei Stunden erblickt, gleicht in der Tat ganz und gar den riesigen Rauchsäulen wie die, die bei dem in Afrika so gewöhnlichen Wegbrennen des dürren Graswuchses auftreten. Vom Winde gebogen und sich anscheinend mit den Wolken vermischend, leibhaftiger Rauch! Die Eingeborenen nennen das Naturwunder, dem sie aus Furcht nicht gerne nahe kommen, "Donnernder Rauch", wörtlich, – Rauch lärmt hier – und diese Benennung kann nicht anders als passend gefunden werden.“ Ein eindrucksvolles Denkmal dieses bekanntesten Afrikaforschers befindet sich auch auf dem Areal hier.
An fünf verschiedenen Stellen mit den schönen Namen, wie Devil’s Cataract, Main Falls, Horseshoes Falls, Rainbow Falls und Eastern Cataract, fallen die Fluten in dichten Kaskaden über die Felsen, kommen unten mit unheimlichem Getöse auf und verteilen sich ringsum in weissen Gischt- und Nebelschleiern. Immer wieder formt die Sonne neue bunte Regenbogen, vor allem im Abschnitt der Rainbow Falls.
Fünf Aussichtspunkte eröffnen faszinierende Perspektiven auf dieses Naturschauspiel. Unzählige Urwaldriesen, Lianen und Farne gedeihen in der ständig vom Sprühregen berieselten Schlucht. Durch den Naturpark führt ein zwei Kilometer langer Fussweg bis dicht an die Fälle heran. Wer ihn nicht klatschnass wieder verlassen will, sollte einen Regenschirm oder ein Regencape mitnehmen oder am Parkeingang mieten.
Donnern und Beben, dass ist die richtige Beschreibung, wenn man sich langsam den Fällen nähert. Der Boden scheint unter den Füssen zu zittern. Doch die Gischt, die heraufweht ist sehr angenehm, eine willkommene Erfrischung. Mittlerweile ist es fast 40 Grad heiss, wir befinden uns immerhin im Herzen von Afrika, mitten im Sommer hier unten.
(Eine Sammlung traumhafter Bilder von den Victoria Fällen unter http://astronomie.de/reisen/zw-2001/vicfalls.htm, Kompliment!).
Nach rund 3 Stunden sind wir erschöpft und hungrig. Wir laufen zur Illala Lodge, in der wir am Vortag so angenehm bedient worden sind. Zum gleichen fairen "Hauspreis" wie am Vortag werden wir schon als Stammgäste behandelt. Silvia verputzt einen Crocburger (Hamburger mit Krokodilfleisch, sehr empfehlenswert) ich nehme wieder einen frisch zubereiteten Geflügelsalat. Zusammen mit drei Bier vom Fass und einer Flasche Wasser bezahlen wir nur 8 US $.
Zurück auf dem Campingplatz steht schon ein Bus, um uns zur Flussfahrt auf dem Sambesi abzuholen.
Uns erwartet eines der schönsten Erlebnisse der Reise. Wir fahren rund 5 Kilometer von den Fällen auf einem Ausflugsboot, die "African Queen", dem Sonnenuntergang entgegen. Es gibt Essen und Trinken bis zum Abwinken. Endlich werden auch die Vielfrasse satt.
Der Fluss ist so breit wie der Rhein, aber wir befinden uns "nur" auf einem Seitenarm des Sambesi, Afrika strotzt halt nur so mit Superlativen.
Krokodile sonnen sich in den letzten Sonnenstrahlen des Tages am Ufer, Flusspferde treiben vorbei, die Sonne geht mit einem unbeschreiblichen Farbenspiel und das alles bei traumhaften 30 Grad am späten Abend, Herz, was willst du mehr.
Einige Mitreisende essen hier nicht nur masslos, sondern „saufen“ auch masslos. Die gleichen Geizkragen, die sonst jeden Cent dreimal umdrehen, nutzen das Angebot "all you can eat and drink" für 25 US $ voll aus. Vorher und auch später habe ich die Mannschaft nicht mehr so besoffen gesehen.
Nachzutragen ist noch, dass Gisela es wirklich wahrgemacht hat und mit einem Leichtflugzeug über unseren Köpfen hinwegfliegt, währenddessen wir uns die Bäuche auf der "African Queen" voll schlagen.
Gisela ist Deutsch-Amerikanerin, lebt in der Nähe von Los Angeles seit mehr als 20 Jahren und ist direkt aus den USA nach Pretoria, unserem Startpunkt, geflogen (mein Gott, das ist jetzt schon wieder drei Wochen her).
Ich wusste nie so genau wie ich sie einordnen sollte, aber letztendlich denke ich war sie im Gegensatz zu einigen anderen unangenehmen Zeitgenossen in der Gruppe eine interessante Gesprächspartnerin, die auch was "auf dem Kasten hat". Eine Rotel-Reise wird sie allerdings nicht mehr mitmachen. Die Enge und ihr unbändiger Drang zu "Extratouren" sind nichts für sie. Aber sie gesteht es sich wenigstens ein, nicht wie einige andere Gestalten hier, die schon seit Jahren ihren Mitreisenden bei Rotel-Reisen in aller Welt auf den "Wecker" gehen.
In der Nacht ist es wieder unerträglich heiss in der Kabine. Der Schweiss rinnt bei mehr als 30 Grad, kein Lüftchen geht. Ich mache kein Auge zu. Auch geht mein Trinkvorrat mitten in der Nacht zur Neige. So streife ich stundenlang um den Bus, suche nach Freddys Schlüssel für den Kühlschrank, der normalerweise in der Rotel-Küche hängt. Nichts. Wasser aus der Wasserleitung, nein, nicht in Afrika, dass könnte das Ende der Reise für mich bedeuten. Glücklicherweise finde ich eine Flasche Wasser auf einem Tisch stehen, wohl vergessen worden von einem Mitreisenden. Ich setze an und trinke. Mist Leitungswasser, na das kann ja was werden, wenn ich Pech habe kann Freddy jetzt alle 10 km anhalten, um mich rauszulassen.
23. Tag (Nach Botswana)
Der Tag beginnt mit Zoff. Ein junger Australier aus einer Reisegruppe in unserer Nachbarschaft hat nachts den Stecker von unserer Stromversorgung durchgeschnitten und unseren Kühlschrank "lahmgelegt". Die Vorräte drohen bei diesen "tropischen Temperaturen" zu verderben. Freddy tobt und Werner kann ihn nur mit grosser Mühe davon abhalten ein Unglück anzurichten. Freddy lässt sich dann doch mit dem Hinweis auf die "gepflegten" Gefängnisse hier in Simbabwe beruhigen.
Weiterhin wurde bei einem anderen Bus in unserer Nähe ein regelrechter Beutezug durchgeführt und das trotz Bewachung. Ich denke mir, nichts wie raus aus diesem Land, das im Chaos und Armut zu versinken droht. Werner sagt, dass noch vor ein paar Jahren der Ort hier nur so pulsiert hat vor Besuchern aus der ganzen Welt. Aus und vorbei, nur noch ein paar Lebensmüde wie wir drücken sich hier rum, verfolgt von Bettlern und illegalen Geldwechslern. Wenn die Entwicklung so weitergeht kommt hier in spätestens 2 Jahren kein Mensch mehr her.
Als kleines Abschiedsgeschenk passt uns beim Verlassen des Ortes noch eine mobile Polizeistreife ab. Wir können keinen Beleg über eine mysteriöse Strassensteuer vorlegen! Nach 30 US $ Einreisegebühr pro Kopf, also 660 US $ insgesamt, einer speziellen Versicherung, obwohl das Rotel selbstverständlich eine international gültige Versicherung hat, die bei der Einreise in dieses Mistland entrichtet werden musste sowie Schmiergeld, wollen sich diese Wegelager auch noch bei uns bedienen. Nach endlosen Debatten auf der Wache und einer erneuten "Zahlung" dürfen wir weiterfahren. Werner, unser Reiseleiter, hat fast die Urlaubskasse in US $ für diese Spielchen "opfern" müssen und nimmt einen Kredit bei Klaus aus Thüringen auf, der ganz im Ossi-Stil Zuhause Dollars gebunkert hat.
Klaus ist einer der wenigen angenehmen Erscheinungen auf der Reise. Er arbeitete bei der russischen Besatzungsmacht in der DDR. Später nach der Wende dann bei den Amerikanern. Jetzt ist er Rentner, wie die absolute Mehrheit auf unserer Reise. Er meint, dass sich die beiden Bürokratien bei den Streitkräften nicht sehr unterschieden haben.
Er und Karin sitzen direkt hinter uns, und da haben sich wirklich zwei gefunden. Sie bezeichnet sich als „Pensionärin“ hört sich besser an als „Rentnerin“ und ist in Bayern „zugereist“. Die beiden sind den ganzen Tag am erzählen und wenn es mal ruhig ist, schläft einer der beiden. Für Klaus ist es die erste "Fernreise" und die erste Reise mit Rotel. Ich habe so manchen Abend mit "Klausi" bis spät in die Nacht Freddys Biervorräte niedergemacht und Klaus fiel immer eine neue Story ein. Seinen unbändigen Hunger musste er allerdings mit einigen Kilo Übergewicht büssen.
Nichts wie raus aus diesem Chaos-Land. Wenn man sich vorstellt, dass Simbabwe, damals noch Süd- Rhodesien, die Kornkammer Afrikas war und nicht nur sich ernähren konnte, sonder ganz beträchtliche Mengen an Nahrungsmitteln exportierte. Die Situation ist ganz einfach zum Heulen.
Ein Antrag von mehreren Abgeordneten des deutschen Bundestages vom 28.01.2003, also nur wenige Tage nach unserer Rückkunft nach Deutschland, beschreibt die Situation im Land sehr treffend:
"Präsident Mugabe hat Simbabwe, die ehemalige Perle Afrikas, mit Diktatur, Willkür, Korruption und seiner als „Landreform“ titulierten Massenenteignung von Farmen in ein wirtschaftliches und humanitäres Desaster gestürzt. Bis zu 1 Mio. Menschen, vor allem schwarze Farmarbeiter mit ihren Familien, befinden sich vor dem Terror von Mugabes „Kriegsveteranen“ auf der Flucht. Bis zu 4000 der insgesamt 4500 kommerziellen Farmen sind unter Begleiterscheinungen wie Folter, Vandalismus und sogar Mord zwangsgeräumt. Der größte Teil des verlassenen Ackerlandes liegt brach. Die Ernte wurde oftmals gezielt vernichtet. Simbabwe, das bis vor kurzem noch Nahrungsmittelexporteur war, benötigt nun monatlich zwischen 100 000 und 150 000 Tonnen Mais für die Ernährung der Bevölkerung. Regierung und Hilfsorganisationen können aber höchstens ein Drittel davon bereitstellen. Damit stehen bis zu 9 Millionen Menschen in Simbabwe vor dem Hungertod. Es gibt beängstigende Indizien dafür, dass Präsident Mugabe diese bevorstehende Katastrophe skrupellos zum Machterhalt ausnutzt. Denn nach Zeugenaussagen benachteiligt die Regierung bei der Lebensmittelverteilung nicht nur gezielt die Regionen, die bei den kürzlichen Wahlen mehrheitlich für die Opposition gestimmt haben. Darüber hinaus erhalten verbreitet nur diejenigen Nahrungsmittel, die einen Mitgliedsausweis der herrschenden ZANU-Partei vorlegen können. Dies ist die Vorstufe zu einem gezielten Völkermord an Oppositionsanhängern und Andersdenkenden.
Auch anderweitig versinkt die früher hinter Südafrika stärkste Volkswirtschaft Subsahara-Afrikas in Chaos und Elend. Die Arbeitslosenquote beträgt bis zu 80 Prozent. Die Inflationsrate wird in 2003 bis auf 500 Prozent steigen. Ausländische Beteiligungen sind um 80 Prozent, Bergwerksaktivitäten um 60 Prozent gefallen. Die Einnahmen aus den Hauptwirtschaftszweigen Tabak und Tourismus sind um 75 bzw. 85 Prozent zurückgegangen. Das von Mugabes Regierungsclique ausgeplünderte Simbabwe ist international zahlungsunfähig."
Nach rund 2 Stunden Fahrt erreichen wir die Grenze nach Botswana, die Formalitäten gehen nach der Übergabe von ein paar "Geschenken" verhältnismässig zügig. Ich habe kein Verständnis für diese Abzockerei und Schmiergeldzahlerei. Werner, unser Reiseführer, hat da eine etwas andere, überraschende Theorie in seinen langen Jahren hier in Afrika entwickelt. Er meint, dass die Zahlung von Schmiergeld in einer alten afrikanischen Sitte begründet ist. Damals musste man auch dem Häuptling als Ausländer oder Europäer Geschenke darreichen, um über sein Gebiet ziehen zu dürfen. Na ja, die Häuptlinge scheinen sich in den letzten Jahrhunderten stark vermehrt zu haben.
Auf alle Fälle sind wir zurück in Sicherheit. Botswana, die Schweiz Afrikas. Was ein Gefühl nicht mehr verfolgt zu werden. Die Menschen auf der Strasse sind alle gut gekleidet, sie fahren fast die gleichen Autos wie wir, die Häuser sind frisch gestrichen, an den wenigen Strassensperren muss kein "Lösegeld“ gezahlt werden.
Dieser Tag ist ein so genannter Transfertag, man versucht so weit wie möglich zu kommen und das sind mehrere hundert Kilometer auf gut ausgebauten Straßen, durch eine relativ eintönige Steppenlandschaft bei mehr als 40 Grad Hitze, aber ohne Klimaanlage. Da kann man nur das Fenster aufreissen und schlafen. Übrigens hat es immer wieder Diskussionen gegeben über Zugluft. Besonders einige ältere Herrschaften zogen es vor im eigenen Gestank zu ersticken und beschwerten sich bei der Reiseleitung.
Unser "Vorsichhindösen" wird gegen Mittag unvermittelt unterbrochen. Ein Knall (wir sind doch im friedlichen Botswana), das Auto beginnt zu schlingern – ein Reifen ist geplatzt. Ich beobachte, wie Freddy mit aller Macht und Erfahrung versucht das 20 Tonnen Geschoss bei mehr als 100 km/h zum Stehen zu bringen. Und es gelingt ihm. Das hätte auch ganz anders ausgehen können. Wir wechseln bei glühenden 40 Grad im Schatten den Reifen. Der Ersatzreifen befindet sich zu meiner Überraschung auf dem Dach und muss mit einem kleinen Kran abgeseilt werden. Die Frauen bereiten in der Zwischenzeit am Strassenrand das Mittagessen.
Gegen Abend erreichen wir Francistown. Wir übernachten auf einem sehr gepflegten Campingplatz mit Schwimmbad und allen Schikanen. Auch ein recht gepflegtes Restaurant gehört zur Anlage, wo wir das Abendessen dem Rotel-Essen vorziehen. Allerdings zu Preisen wie in Deutschland – Botswana macht seinem Ruf in dieser Beziehung alle Ehre.
In einem nahe gelegenen Geschäft erhalte ich einen Satz Münzen für meinen Freund Klaus, einen fanatischen Münzsammler. Übrigens die schönsten Münzen auf unserer Reise, alle mit Tiermotiven.
24. Tag (Sonnenfinsternis)

Kilometerstand: 85.048.
Heute findet im Südlichen Afrika ein Ereignis statt, dass für viele sicherlich ausschlaggebend gewesen ist, diese Reise anzutreten. Eine totale Sonnenfinsternis.
Wir wollen uns da nicht ganz ausschliessen, für uns war es zumindest einer der Gründe, die Reise anzutreten. Ich war anlässlich der Sonnenfinsternis im Süddeutschen Raum am 12.08.1999 so begeistert, dass ich nicht bis zur nächsten Sonnenfinsternis in Deutschland am 23. Juli 2093 (siehe http://sunearth.gsfc.nasa.gov/eclipse/SEatlas/SEatlas3/SEatlas2081.GIF) warten wollte.
Leider befinden wir uns momentan hier in Francistown zu weit im Westen, um diesem einmaligen Erlebnis beiwohnen zu können. Also schlug ich schon am Vortag vor, dass wir zumindest sehr früh losfahren, um soweit wie möglich nach Osten in den Kernschatten zu gelangen. Alle Mitreisenden sind einverstanden, glaubte ich zumindest, und Werner legt die Abfahrt auf meinen Vorschlag auf heute 5.00 Uhr fest.
Einige verpennen, wie es auch nicht anders zu erwarten war. Während wir schon das Vorzelt im Dunkeln abbauen, sind insbesondere die beiden "scheinheiligen Schwestern", so wurden sie ab jetzt von uns genannt, noch dabei ihre ausgiebige "Morgentoilette" zu erledigen. Die beiden älteren Damen sind alles andere als geeignet für eine Rotel-Reise. Schleppen riesige Koffer mit sich durch Afrika, die kaum in der Kabine unterzubringen sind. Laufen aufgepeppt rum, als wollten sie zu einem Ball, schmeicheln sich überall ein, aber wenn es um den eigenen Vorteil geht, sind sie knallhart – die beiden vordersten und besten Plätze im Bus reserviert, Doppelkabine in der Mitte ganz hinten, auch die beiden besten Plätze wohlgemerkt, erschlichen durch ein Attest.
Jetzt protestieren sie lautstark, dass sie von der "Frühaufstehaktion" nichts gewusst haben, was heisst protestieren "sie kratzen, beissen und heulen". Leider starten wir hierdurch sehr viel später als vorgesehen – mit der „Totalen“ wird’s wohl nichts, dank der beiden Damen. Die Krönung allerdings ist, dass sie sich bei Werner beschweren und drohen sich beim Firmenchef in Deutschland über die Aktion zu beschweren. Da knickt Werner ein und macht mich indirekt über eine fehlende Absprache in der Gruppe verantwortlich. Seit diesem Tag haben mich die beiden Damen nicht mehr eines Blickes gewürdigt, obwohl wir in der gleichen Reihe gesessen haben, nur noch wilde Blicke und dumme Bemerkungen. Ich sagte ja, die Gruppe hat es wirklich in sich, wenn ich mir überlege wie harmonisch und kollegial die Fahrt im Vorjahr mit Rotel durch Südafrika verlaufen ist - kein Vergleich.
Wir fahren rund eine Stunde nach Osten bis gegen 6.00 Uhr. Es lohnt sich nicht mehr weiter zur fahren, da man schon ganz klar den Mond erkennt, der sich über den Sonnenrand schiebt. Langsam wird es dunkler, wie bei einem starken Gewitter, die Vögel hören auf zu singen und der Wind hört schlagartig auf zu wehen. Alle stehen da mit ihren Sonnenschutzbrillen. Allerdings wird es nicht ganz dunkel, wir haben den Kernschatten nicht erreicht und das ist immer noch ein himmelweiter Unterschied zu der partiellen Finsternis, die wir momentan erleben. Ich hatte das Glück 1999 in Bad Dürkheim in der Pfalz. Da wird es wirklich "stockfinster" und man kann die Sterne mitten am Tag sehen, solange der Mond die Sonne voll verdeckt, ein Erlebnis, das man im Leben nicht mehr vergisst.
Na ja, Pech gehabt. Werner erzählt zwar dann am Abend, dass Millionen von "Sonnenfinsternis-Touristen" im Krüger Park gar nichts gesehen hätten, da dort der Himmel bedeckt war. Aber ich glaube, dass der gute Werner selbst gepennt hat bei der Reiseplanung, sonst hätten wir die paar Kilometer, die gefehlt hatten, irgendwie geschafft. Schade.
Freddy hat zumindest sein Bestes gegeben und hat uns im Eiltempo bis weit an die Grenze von Botswana und Südafrika gebracht. Allerdings stehen wir jetzt mitten im Busch, auf einer Piste, die vorher noch nie ein Rotel befahren hat. Wir befinden uns im äussersten östlichen "Zipfel" von Botswana im Mashatu Game Reserve. Hier mitten im Busch können wir uns nur noch grösstenteils im Schritttempo vorwärts bewegen, bei Durchfahrten von ausgetrockneten Flüssen muss Freddy nicht selten die Hydraulik des Busses betätigen und die Kabine anheben.
Landschaftlich ist es hier wunderschön, so wie ich mir Afrika nach den Grizmek-Filmen als Kind vorgestellt habe. Vielleicht eine der schönsten Landschaften auf unserer Reise, wie so oft durch Zufall gefunden.
Gegen Mittag erreichen wir eine "gottverlassene" Grenzstation Pont Drift – Mashatu Border Post mitten in der südafrikanischen Steppe und nördlichste Grenzstation von Botswana nach Südafrika.
Endlich zurück in Südafrika; Silvia und ich atmen auf, wir fühlen uns fast wie zu Hause angekommen. Zu diesem Land verbindet uns doch mittlerweile mehr als wir dachten. An der Grenze unterhalten wir uns noch lange mit dem sehr freundlichen Chef der Grenzstation, der überaus stolz auf die Sonnenfinsternis ist und genauso stolz diese seinen "Gästen" aus Deutschland präsentieren zu können. Wir fahren weiter nach Messina, der nördlichsten Stadt Südafrikas. Sie entstand um die 1905 in Betrieb genommenen Minen herum, in der Eisenerz und Kupfer verhüttet wurde. In den Minen waren besonders die Frauen schwarzer Stämme tätig.
Der Kupferabbau wurde kürzlich eingestellt. Zurück blieb ein verschlafener Ort, dessen ganzer Stolz der Bahnhof ist. Dieses Gebäude wurde mehrfach zum "best gepflegtesten Bahnhof" von ganz Südafrika gewählt.
Wir nehmen hier Verpflegung auf und essen zu Mittag in einem Steak-Restaurant mit selten unaufmerksamen Bedienungen, eigentlich eine Ausnahme in Südafrika, wo sich die Mädchen sonst vor Freundlichkeit „wegwerfen“.
Nur 1/2 Stunde später erreichen wir unser Nachtlager den Aventura Resort Tshipise (http://www.aventura.co.za/resorts/tshipise.jsp), ein wunderschön gelegenes Camp der Aventura Gruppe, die an den schönsten Stellen von Südafrika ihre Anlagen aufgebaut haben. Die Firma Rotel fährt diese Resorts bevorzugt an, was wirklich zu begrüssen ist.
Die Anlage, die voll ausgebucht ist wegen den vielen Reisenden zur Sonnenfinsternis, bietet alles Erdenkliche zur Freizeitgestaltung. Auch ein grosses Thermalbad lädt zur Entspannung ein.
Ich nutze die Gelegenheit unserer frühen Ankunft hier zu einer kleinen Entdeckungstour als "Jogger". Es ist schon erstaunlich wie freundlich die Leute hier sind. Ich laufe entlang der wenig befahrenen Hauptstrasse und fast jeder Fahrer und die Mitfahrer winken mir freundlich zu oder hupen.
Nach dem Abendessen geraten Silvia und ich unvermittelt in ein kleines Fest herein, das eine Gruppe von Buren, die hier Urlaub machen, veranstaltet. Es geht sehr zünftig zu. Das Bier fließt in Strömen, auf dem Grill werden riesige Steaks zubereitet, eine Musikgruppe spielt einheimische Volksweisen in Afrikaans. Nach dem zweiten Bier, das ich mir zapfen lasse (0,5 Liter für 1 €), werden wir fast schon in den Kreis der weissen Südafrikaner aufgenommen. Und ab dem 3. Bier gibt es 2 grosse "Gezapfte" für 1 €. Die Leute hier sind unheimlich stolz darauf, dass Besucher aus Europa bis hierher gekommen sind und sie versichern mir, dass sie nie vergessen werden, wo ihre Wurzeln liegen - eben auch in Europa. Leider ist uns dass so nicht bewusst, wir betreiben hier in Deutschland doch eine schon penetrante "Nabelschau" und klagen dauernd wie schlecht es uns geht. Die sollen mal hier herunter kommen und sich die Verhältnisse hier oder im chaotischen Simbabwe anschauen.
Auf alle Fälle war das der vielleicht schönste Abend auf unserer Reise, dass vergisst man nicht. Und geschlafen haben wir auch wieder gut, hier in kühlen 1.300 Metern Höhe, nach den mörderischen Temperaturen in Simbabwe.
25. Tag (Im Krüger Nationalpark)

Kilometerstand: 85.528.
Abfahrt um 7.30 Uhr von diesem schönen Resort. Hier hätte ich es ein paar Tage länger ausgehalten. Relaxen, Mountainbike-Touren in die traumhafte Umgebung, Grillen, mit den Buren feiern…..Nach 100 km auf sehr guter Landstraße erreichen wir den Krüger National Park (http://www.krugerpark.co.za). Das nächste Highlight.
Langsam beginnt man den Überblick zu verlieren, wo man schon überall war und was man schon alles erlebt und gesehen hat. Man verliert auch das Gefühl für Raum und Zeit. Den meisten Mitreisenden geht es so. Am Anfang bin ich noch ein wenig belächelt worden, dass ich alles so akribisch mitschreibe (typisch Beamter), mittlerweile tun das fast alle.
Wir fahren über das nördlichste Gate, das Pafuri Gate in den Park, welcher der vielleicht am besten geführte Wildpark der Welt ist und eine Größe von 2 Mio. Hektar hat, also ungefähr die Grösse von Belgien, allerdings komplett eingezäunt. Jetzt sollen auch noch Teile des angrenzenden Mocambique im Osten und ein grosses Stück Land im Süden von Simbabwe in den Park eingegliedert werden, was seine Grösse fast verdoppeln würde und somit einer der grössten Parks der Welt werden würde. Ein Vorteil, dass dann der enorme Überbevölkerungsdruck der Elefantenpopulation genommen würde und die Dickhäuter in die neuen Gebiete ausweichen könnten. Die Südafrikaner haben hier teilweise zu recht eigenartigen Methoden gegriffen, um die Population in den Griff zu bekommen. Sie verabreichten den Elefantendamen sogar Antibabypillen, da die südafrikanische Bevölkerung gegen einen Abschuss der Tiere wohl Sturm gelaufen wäre.
Ein weiterer Vorteil der Ausdehnung wäre, dass das durch viele Jahre Bürgerkrieg bitterarme Mocambique einen Anschluss an den internationalen Tourismus bekommen könnte. Das Risiko sind natürlich Wilderer und Millionen von Landminen in diesem Landstrich. Allerdings könnte die Ausdehnung nach Osten den weissen Rangern des Krüger Parks eine neue Berufsperspektive eröffnen. Viele verloren im Zuge der großen Entlassungswelle von Weissen ihren Job zu Gunsten von Schwarzen. Durch diese Einstellungspraxis soll es im Park möglicherweise schon einige Unfälle bzw. Waldbrände gegeben haben, da die neuen, schwarzen Ranger natürlich nicht die Erfahrung und die Berufspraxis mitbringen, wie ihre entlassenen weissen Ex-Kollegen.
Mittagspause machen wir im Shingwedzi Camp, das hoch über dem Shingwedzi River liegt. Hier gibt es leckeren Curry Reis (Portion 4,50 €) oder T-Bonesteaks (4,80 €). Auf dem Weg zu unserem Nachtlager dem Letaba Camp begegnen wir einer großen Zahl von Elefanten, Hyänen, Flusspferden und Krokodilen. Auch können wir einen Löwen sehen, der sich gerade den Bauch mit einem Büffel (bzw. Teile davon) vollgeschlagen hat. Der Krüger Park hat bis hierher schon das gehalten, was Ethosha versprochen hatte.
Nach einer rasanten Abendpirsch mit dem Rotel rund um das Camp schaffen wir es gerade noch um 18.30 Uhr im Camp einzutreffen. Glück gehabt, nur eine Minute später wäre das Tor geschlossen geworden und wir hätten sehen können wo wir bleiben, auch eine empfindliche Strafe hätte uns von der Parkverwaltung blühen können. Aber das zeigt wieder, dass Freddy alles für seine Gäste tut. Aber mit Ausruhen ist nicht für den armen Kerl, jetzt ist Abendessen anrichten angesagt. So ein Job als Busfahrer (und Koch) bei Rotel ist schon knallhart. Da sind 18 Stunden Dienst gar nichts und das über Wochen hinweg ohne einen einzigen freien Tag. Trotzdem hatte ich immer den Eindruck, dass Freddy seinen Job sehr gerne macht und sich auch total für seine Firma engagiert, wenn es z.B. um Verbesserungsvorschläge der Technik geht, hat er richtige Detailzeichnungen angelegt. Der „Höltl“ in Tittling kann froh sein solche Leute zu haben. Ich schlage Freddy als "Cheffahrer" vor!
Trotz Freddys guter Küche speisen wir im Restaurant des Camps, wunderschön an einer Flussbiegung des Letaba-River gelegen; die Sonne geht über dem Urwald im Osten unter, an den Fluten des Flusses trinkt eine Herde Gnus in der untergehenden Abendsonne - dazu erleben wir für nur 8,50 € ein fantastisches 8-Gangmenü vom Feinsten - Herz, was willst du mehr. Auch die Atmosphäre im Restaurant ist Klasse. Überall an den Wänden sind Bilder und Stosszähne der bekanntesten und grössten Elefanten des Parks, die hier in Südafrika jedes Kind kennt. Die Bedienung ist sehr aufmerksam und freundlich. Der Krüger Park macht seinem positiven Ruf alle Ehre. Hier kann man Afrika und die Tierwelt dieses Kontinents in vollen Zügen von seiner besten Seite geniessen. Und wir haben die einmalige Gelegenheit dies schon zum zweiten Mal zu tun.
26. Tag (Pirschfahrt im Krügerpark)
Kilometerstand: 85.928.
Wir verlassen Letaba. Das Camp ist wirklich sehr empfehlenswert, schöne Lage, sehr saubere Duschen und Toiletten und ein Elefantenmuseum, in dieser Form vielleicht einmalig auf der Welt.
Wir bewegen uns mit unserem 20 Tonnen Monstrum ganz langsam durch den Park, um möglichst kein Tier zu verpassen, das unseren Weg kreuzt oder am Wegesrand steht. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 40 km/h auf den insgesamt 1.740 km Schotterpisten und 50 km/h auf den 800 km Teerstraßen.
Normalerweise ist es selbstverständlich, dass man sich ruhig verhält bei Tierbeobachtungen, aber dieser Truppe gelingt selbst das nicht. Mit pausenlos dummen Bemerkungen und Versuchen die Tierstimmen zu imitieren, gelingt es einer Dame, die sich besonders toll findet, immer wieder, dass die Tiere vor unserem Bus flüchten. Auch Bitten der Reiseleitung, dies zu unterlassen, nutzen nichts, die Person müsste man schon fesseln und knebeln und tagsüber hinten in der Küche einsperren, um Ruhe zu haben.
Die Krönung sind allerdings wieder die beiden "scheinheiligen" Schwestern, die es fertig bringen bei einer ganz seltenen Gepardenbegegnung mit ihrem hochmodernen Fotoapparat am helllichten Tag zu blitzen. Das Tier springt natürlich auf und läuft weg. Mein Hinweis, doch vor dem Urlaub besser einen Fotokurs besucht zu haben, führt zu stundenlangen Entrüstungen.
Insa und Andrea, die beiden jüngsten Mitreisenden, haben mit den beiden auch ihren Spass. Sie haben die Kabine über den beiden und kommen den Damen mit ihren riesigen "Überseekoffern" laufend in die Quere. Auch wir werden in die Diskussion miteinbezogen, obwohl wir am anderen Ende des Busses unsere Kabinen haben. Angeblich haben wir dort vorne den meisten Platz. Stimmt, allerdings haben wir beide auch nur jeweils eine Tasche und nicht 2 Samsonite – Hartschalenmegakoffer. Außerdem verstauen Werner und Christel, unsere beiden "Obermieter", ihr Gepäck jeweils in der Kabine, was enorm Platz für uns schafft.
Langsam stellt sich doch so was wie Lagerkoller ein, die Stimmung wird ganz merklich gereizter. Einige Mitreisende sehen es auch schon nicht mehr als notwendig an "Guten Morgen" zu sagen. Die sollen doch beim nächsten Mal alleine mit dem Wohnmobil rumkurven, und nicht anderen Leuten auf den Nerv gehen.
Es haben sich auch Grüppchen gebildet, die ganz pingelig darauf achten jeweils beim Essen oder bei anderen Gelegenheiten zusammenzusitzen und sich gegenseitig Plätze zu reservieren. Wehe du verirrst dich mal an so einen Tisch, ist mir im Etosha Park passiert. Die Dame hat mich die restlichen 2 Wochen keines Blickes mehr gewürdigt. Grundsätzlich schade, so kommt man eigentlich immer nur mit den gleichen Leuten ins Gespräch, aber die wollens nicht anders.
Gegen 10 Uhr erreichen wir das Olifants Camp, wo wir eine Frühstückspause einlegen. Das terrassenförmig angelegte Camp liegt phantastisch auf einem Felsen oberhalb des Olifants River. Viele Tiere wie Elefanten und Flusspferde versammeln sich am 100 m tiefer gelegenen Fluss. Von der Lage vielleicht das schönste Camp im Krüger.
Über das Satara Camp, wo wir mittags anhalten, kommen wir gegen Abend im Skukuza Camp an, wo wir die letzte Übernachtung im Park haben werden. Das Hauptcamp des Parks bietet Platz für rund 600 Personen, liegt 12km vom Paul Krüger Gate entfernt und bietet vielfältige Unterkunftsmöglichkeiten.
Das Camp hat Serviceleistungen wie eine Kleinstadt, z.B. eine Autowerkstatt, eine Polizeistation, eine Bücherei und einen Flugplatz.
Die einzelnen Tiere aufzuzählen, die wir tagsüber gesehen haben, ist ganz einfach zu aufwendig, man stumpft auch irgendwie mit der Zeit ab und wird müde von der aufmerksamen Herumsucherei.
Zum Abendessen bereitet Freddy ein leckeres italienisches Gericht. Später wird unserer Tischnachbarin Christel noch von der Reiseleitung zum Geburtstag gratuliert, standesgemäss mit einer kleinen Rede und einem witzigen Geschenk. Das hat Werner immer ganz gut inszeniert. Reden und Vorträge halten, das kann er wirklich.
27. Tag (Über die Panoramaroute)
Kilometerstand: 86.104.
Heute Nacht sind wir unvermittelt aufgeweckt worden. Um unser Rotel haben sich zwei Hyänen rumgetrieben. Silvia hat die Gesellen bemerkt und mit ihrer Taschenlampe aus unserer Kabine in sicherer Höhe von gut 3 Meter angestrahlt, was deren Augen ganz gefährlich aufblitzen liess, aber sonderlich gestört haben sich die Kerle nicht daran.
Normalerweise ist es sehr unwahrscheinlich, dass wilde Tiere ins Camp eindringen können, da das Camp eingezäunt ist. Allerdings ist das Skukuza Camp so groß, dass der Zaun durchaus ein Loch haben kann. Nur was treiben die Viecher ausgerechnet an unserem Bus? Des Rätsels Lösung ist schnell gefunden. Vorne aus einem Kabinefenster wird Futter geschmissen. Unglaublich, einer der Grundregeln im Park ist "Wilde Tiere nicht füttern". Wird man da von einem Parkwächter erwischt, fliegt man sofort nach Zahlung einer saftigen Geldstrafe aus dem Park. Und wer wird da vorne von so "grosser Tierliebe" mitten in der Nacht geplagt? Die „scheinheiligen“ Schwestern sind wieder mal zu Gange.
Man kann nicht glauben, was in so manchem Gehirn vorgeht. Hyänen sind keine Kuscheltiere. Hyänen zählen zu den besten Jägern Afrikas. Zu ihrer Beute zählen auch grosse Tiere wie Gazellen oder Büffel. Es ist auch schon beobachtet worden, dass besonders grosse Hyänen Löwen in die Flucht geschlagen haben. Und diese beiden hier draussen sind beachtliche Exemplare. Man muss sich nur vorstellen, wie die beiden Tiere sich verhalten würden, wenn eine Person aus unserem Bus mal zur Toilette muss und das passiert nicht selten.
Freddy kann am nächsten Tag zunächst nicht glauben, dass sich Hyänen im Camp herumgetrieben haben. Dies sei ihm bisher hier nicht passiert, dass wären höchstens ein paar Schakale gewesen, die nicht grösser wie ein Fuchs sind. Erst als ihm unsere Story am Gate-Eingang von ein paar Park-Rangern bestätigt wird, geht ihm fast der Hut hoch. Aber was willst du mit so Mitreisenden anstellen. Weist er sie zurecht, beschweren sich die Damen sofort in Tittling; sie geben ja eh vor den Firmen-Chef gut zu kennen. Unternimmt er nichts und es passiert dann etwas, ist er auch der Dumme. Der Traumjob Reiseleiter oder auch Busfahrer verliert hier ganz schnell seinen besonderen Reiz.
Ich für meinen Teil versuche den Knatsch" jetzt zu ignorieren. Man soll sich wirklich auf dieses traumhafte Land konzentrieren. Hierbei fällt mir ein Spruch des Adolf Freiherr v. Knigge ein, den unsere damalige Reiseleiterin Inge ein Jahr zuvor zitiert hatte: "Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen, und dass man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lässt".
Gegen 8.00 Uhr verlassen wir den Krüger Park ganz im Süden durch das Paul Krüger Gate. Wir haben den Park von Norden nach Süden durchquert sind mehr als 300 km gefahren und haben viele sehr interessante Tierbeobachtungen machen können.
Seit 3 1/2 Wochen beginnt es zum ersten Mal zu regnen. Wir wollen heute noch die Drakensberge erreichen, für mich die eindrucksvollste Landschaft in Südafrika, in der man ohne Probleme mehrere Wochen Urlaub verbringen könnte. Sie ziehen sich als knapp 1.000 Kilometer langer Höhenzug vom Königreich Lesotho bis weit in die im Norden liegende Limpopo Provinz.
Wir erreichen das 26.000 Quadratkilometer große Blyde River Nature Reserve, das zu den spektakulärsten Naturerscheinungen Südafrikas gehört. Der Blyde River Canyon ist eine ca. 26 km lange und an einigen Stellen bis zu 800 m tiefe Schlucht und gehört zu den meist besuchtesten Orten in Südafrika. Unser erstes Tagesziel sind die "Tree Rondavels", die wie traditionelle afrikanische Rundhütten (Rondavels) aussehen. Die harten Gesteinskuppen erodierten langsamer als die darunter liegenden weicheren Gesteinsschichten und so sind im Laufe der Zeit diese Gesteinsformationen entstanden.
Glücklicherweise reißt der Himmel auf und es hört auf zu regnen. Herrliche Bilder gelingen uns von dieser beeindruckenden Felsformation. Hier nehmen wir auch unser Mittagessen ein.
Wenige Kilometer weiter auf der R 532 bietet sich die nächste Sehenswürdigkeit. Die Bourke´s Luck Potholes, am Zusammenfluss von Treur und Blyde River, wo das Wasser über in Millionen von Jahren zylindrische Löcher aus Dolomitgestein gefräst hat. Im 19. Jahrhundert wurde dieser Ort von Tom Bourke entdeckt, der hier auf Goldsuche war. Von mehreren Brücken bietet sich der direkte Blick in die Löcher und auf Kaskaden von Wasserfällen.
Am Bourke´s Luck befindet sich auch ein Besucherzentrum, in dem es ein geologisches Museum gibt sowie Toiletten, Picknick- und Grillplätze.
Heute ist ein Tag, da jagt eine Sehenswürdigkeit die nächste. Wir erreichen an der Panoramaroute entlang, die ihren Namen zu Recht verdient, dass 1829 m hoch gelegene “Gods Window“ (Gottes Fenster), einem Aussichtspunkt an der Abrisskante des Highvields, von wo man einen unbeschreiblichen Blick in das etwa 1000 Meter tiefer liegende Lowvield in Richtung Krügerpark und Mosambik hat. Bei gutem Wetter kann man bis zu 200 km weit sehen. Doch wir laufen hier im dichten Nebel bei knapp 10 Grad herum. Zwar eine willkommene Abkühlung nach den 40 Grad in Victoriafalls vor knapp einer Woche, aber das nützt nichts. Glücklicherweise konnten wir den Ausblick hier oben vor einem Jahr an einem strahlenden Sonnentag geniessen.
Nur 8 km weiter liegt unser Übernachtungsplatz in Graskop. Dieser Ort erreichte seinen Bekanntheitsgrad durch die im Ort ansässige Harrie`s Pancake Bar, in der Pfannkuchen in allen Variationen angeboten werden.
Hier in 1.300 Meter Höhe ist es herbstlich kühl und wir entschließen uns nicht an Freddys köstlichem Abendessen (Kartoffelsuppe mit Würstchen) teilzunehmen, sondern in das Restaurant, das zum Campingplatz gehört, einzukehren. Zunächst sind wir etwas skeptisch, weil ein paar wild aussehende Typen den Laden leiten, aber das riesige und butterzarte T-Bonesteak für 5,80 € sowie die doppelte Portion Spearrips für 5,20 € (Silvia meint es wären die besten gewesen, die sie je gegessen hat) belehren uns eines besseren. Später stellt sich raus, dass der Besitzer, der hinter der Theke steht, aus der Schweiz kommt.
Gegen 8.00 Uhr hat sich wieder der harte Kern aus unserem Bus im Restaurant eingefunden. Wir sind mit dem Schlafen gehen spät dran gewesen, aber Klaus aus Thüringen erzählt uns am nächsten Morgen mit schleppender Stimme, dass er mit den Einheimischen noch bis zum frühen Morgen gefeiert hat. Sprachprobleme kennt er jetzt keine mehr. Er hat sich meinen Urlaubssprachführer Englisch am Anfang der Reise geschnappt und fleissig das Wichtigste gelernt. Karin hat ihn dann immer schön abgehört – also läuft die Sache für ihn hier unter Bildungsreise und müsste vom Arbeitsamt bezahlt werden.
28. Tag (Die Drakensberge)

Kilometerstand: 86.442.
Das Wetter hat sich über Nacht gebessert. Die Sonne strahlt schon am frühen Morgen von einem azurblauen Himmel, ich fühle mich wie in Davos im August. Wir brechen gegen 8.00 Uhr auf durch eine Landschaft, die an den Schwarzwald erinnert. Nichts lässt erahnen, dass man sich in Afrika befindet, ausser ein paar schwarzen Kindern, die auf der Strasse spielen.
Wir durchfahren das entzückende Städtchen Sabie (http://www.sabie.co.za) und erreichen den Long Tom Pass.
Wir befinden uns nunmehr auf 1.750 Meter Höhe am Devil’s Staircase und stehen vor einem Nachbau einer der vier Kanonen, mit denen die Buren Pretoria gegen die Engländer verteidigt haben. Als die letzte Kugel verschossen war, sprengte man die Kanonen. Geblieben ist der Name “Long Tom” (wegen der enormen Länge der Waffe).
An den Mac Mac Falls haben wir die Gelegenheit noch einmal zu günstigen Preisen Souvenirs einzukaufen. An langen Ständen verkaufen die Einheimischen recht nette Sachen, grösstenteils auch selbst hergestellt. Für meine Mutter erwerbe ich eine hübsche Halskette aus Bohnen und Perlen für ein paar Cent.
Zum sonntäglichen Mittagessen erreichen wir Dullstroom am Ende der traumhaften Panoramaroute (http://www.dullstroom.info). Dullstroom ist ein Paradies für Südafrikaner. Einer der Lieblingsbeschäftigungen von südafrikanischen (weißen) Männern ist das Fischen. Viele Hobbyangler kommen dann im Oktober zum „Forellen-Festival“ nach Dullstroom.
Im Ort, der eine romantische Atmosphäre ausstrahlt, wurden kleine Bauernhäuser aus Stein im typisch englischen Stil erbaut. Jetzt im Dezember strahlen die fast schon unwirklich blühenden Gärten eine idyllische Ruhe aus. Hier gibt es schöne Geschäfte und eine ganze Anzahl von Restaurants. Wir entdecken im Ort eine Harri´s Pancake Bar. Dieses Restaurant mit in ganz Südafrika bekannten Pfannkuchenspezialitäten hat hier einen Ableger gefunden.
Wir nutzen das natürlich aus und geniessen Pfannkuchen mit frischen Kirschen, Aprikosen und Sahne. Dazu gibt es einen erstklassigen frisch aufgebrühten Filterkaffee. Etwas abgesetzt von den Geschäften befindet sich ein kleiner Bauernmarkt, wo Einheimische Milch, Käse, Obst und Marmelade aus eigener Produktion verkaufen. In Dullstroom liegt übrigens der höchstgelegene Bahnhof Südafrikas - auf einer Höhe von 2077 m. Insgesamt ein wirklich empfehlenswertes Örtchen zum Entspannen, auch mit tollen Gästefarmen in der Umgebung (z.B. das Dullstroom Country Retreat http://members.africa-adventure.org/d/dullstroom/deutsch.html).
Wir nähern uns langsam der letzten Station unserer Reise, die gleichzeitig auch der Startpunkt war, Pretoria. Auf der rund 150 km langen Strecke von Dullstroom nach Pretoria findet Werner Zeit über geplante Veränderungen bei der Firma Rotel zu sprechen. Schlagworte, wie Job-Rotation, Qualitätsmanagement und Motivation der Mitarbeiter hören sich sehr danach an, als ob eine Unternehmensberatung die Finger im Spiel hatte. Es ist auch nicht einfach geeignetes Personal zu finden, dass monatelang weg von Zuhause ist, keine Freizeit, grösstenteils 16 Stundentage und Gäste, die zwar immer anspruchsvoller werden, aber nicht bereit sind einen entsprechenden Preis zu zahlen. Viele scheinen vergessen zu haben, dass es sich bei Rotel-Reisen grösstenteils um Expeditionsreisen handelt mit eingeschränkten Service und Übernachtungen auf Campingplätzen. Die Mahlzeiten, die uns Freddy kredenzte, sind meiner Meinung nach die positive Ausnahme. Normal gibt es abends nur das berühmt berüchtigte "Rotel-Süppchen".
Zitat aus dem Rotel-Katalog: "Frühstück und Abendessen werden in unserer Rotel-Küche zubereitet. Das Frühstück besteht aus Kaffee, Tee, Zucker, Brot, Butter und Marmelade. Abends gibt es gute Suppen mit Brot, und abwechselnd Käse, Eier, Wurst oder Fisch".
Am frühen Nachmittag erreichen wir den Campingplatz Joos Becker in Pretoria. Von hier aus sind wir auch gestartet. Unsere fast 9.000 km lange Rundreise durch 4 Länder, etliche Klimazonen, viele Kulturen mit Eindrücken, die noch Monate brauchen um verarbeitet zu werden, eine der längsten und anstrengendsten Reisen, welche die Firma Rotel durchführt, ist beendet.
Vor dem Abschiedsessen setze ich mich noch einmal in den Garten des zum Campingplatz gehörenden Restaurants und trinke ein grosses Draught, um die Erinnerungen noch einmal vorbeiziehen zu lassen. Eine etwas wehmütige Atmosphäre jetzt hier bei rund 27 Grad zu sitzen und dieses wunderschöne Land zu verlassen, in Deutschland ist es kalt und grau. Man kann die vielen tausend Auswanderer schon verstehen, die es hierher zieht, trotz der politischen Unwägbarkeiten. Silvia, meine Frau, brauche ich gar nicht erst zu fragen, sie würde jeden Urlaub – besser jede freie Minute - in Südafrika verbringen. Ich glaube, mir geht es mittlerweile auch so.
Natürlich hat es auch wegen des Trinkgeldes für Freddy und Werner wieder keine Einigkeit gegeben. Insbesondere über die Höhe des "Tips" gab es grössere Diskussionen, wobei auch einige "Sparbrötchen" entschlossen sind gar nichts zu geben und hoffen, dass eine grosse "Kollekte" veranstaltet wird, wo sie sich dann "verstecken" können. Nicht mit uns, wir haben schon in Letaba zwei nette Karten gekauft und werden den beiden unser "Trinkgeld", das ordentlich ausfallen wird, persönlich überreichen. Insbesondere Freddy hat es sich wirklich verdient – ein ausgezeichneter Fahrer, ein hervorragender Koch, kompetent, immer ansprechbar, sympathisch, nett; ganz einfach - eine Werbung für die Firma Rotel.
Das Abschiedsessen, "gesponsert" durch die Firma Rotel, findet dieses Mal in einem etwas anderen Rahmen statt, wie das Essen zu Beginn der Reise. Freddy hat bei seinem Schwager, der in Pretoria eine österreichische Metzgerei besitzt, geordert. So veranstalten wir ein klassisches südafrikanisch-österreichisches Brai, wie die Südafrikaner ihre Grillfeste nennen. Es gibt erstklassige T-Bonesteaks, von der Qualität, wie ich sie auf der ganzen Reise nicht genossen habe und fünf Sorten Würstchen, eine besser als die andere. Klasse.
Nach dem Essen halten Freddy und Werner ihre Abschiedsreden, wo Werner noch einmal die lange Reise und einige Highlights "Revue passieren lässt". Da die Gruppe sich wieder mal nicht einig war auch etwas Vergleichbares zu arrangieren, eine Schande, wenn man so lange zusammen ist, haben Andrea und ich kurzfristig noch nachmittags etwas eingeplant.
Andrea trägt ein wirklich schönes, selbstverfasstes Gedicht vor und ich halte auch eine Rede, wo ich Werner und Freddy danke und gleichzeitig an ihre "größten Taten und Vorzüge" auf unserer Reise erinnere. Allerdings nehme ich mir auch einige Reisegäste vor, ohne ihren Namen zu nennen und stelle ganz klar heraus, dass diese für so eine lange und anstrengende Reise, auf so engem Raum, ganz einfach nicht geeignet sind. Es geht nicht an eine Campingreise in der Gruppe zu buchen, um Geld zu sparen, dann aber eine 5 Sterne Kreuzfahrt in einer Einzel-Suite zu erwarten. Auch die Damen, die sich in wenig Rücksichtsnahme geübt hatten bekamen ihr "Fett weg". Ich glaube ich hatte das gesagt, was Freddy und Werner gerne gesagt hätten, allerdings nicht sagen durften.
Viel Beifall erhalte ich zwar nicht, nur einige lange Gesichter schauen mich an, aber ich fühle mich anschliessend richtig wohl.
Letzter Tag
Wir sind gestern Abend gleich nach der Trinkgeldübergabe schlafen gegangen. Ich kann einige Leute ganz einfach nicht mehr sehen. Doch herrlichster Sonnenschein weckt uns schon früh am Morgen, so als wollte es uns das Wetter noch einmal zeigen, bevor wir ins winterliche Deutschland fliegen.
Wir packen zusammen und helfen Freddy noch das Rotel grob zu reinigen. Er muss heute früh schon zeitig weg, um spätestens morgen in Kapstadt zu sein. Dort wartet schon die nächste Reisegruppe auf ihn - in 4 Wochen von Kapstadt nach Nairobi, keinen Tag Pause oder Urlaub – hammerhart das Leben eines Fahrers bei Rotel. Ach ja Werner begleitet ihn!
Beim Abschied von Freddy fließt schon die eine oder andere Träne, verständlich, der Mann hat wirklich alles gegeben, vorbildlich.
Doch das Leben geht weiter und Rotel-Reisen gehen nicht einfach so zu Ende, dass man am Abreisetag am Flughafen abgesetzt wird und sich langweilt – nein, volles Programm. Zuerst geht es noch ins berüchtigte Johannesburg (http://www.johannesburg.gov.za), angeblich die gewalttätigste Stadt der Welt. Für Weiße eine sichere Gelegenheit die Lebenserwartung entscheidend zu verkürzen. Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder. Im vergangenen Jahr war es noch streng verboten den Bus zu verlassen. In diesem Jahr steht sogar das Angebot das Charlton Center zu besuchen – das höchste Hochhaus Afrikas mit 220 Metern.
Nur wenige Mitreisende nehmen das Angebot wahr, aus Angst, aber ich riskiere das und bin überrascht. Da hängen keine Kleinhändler mehr auf den Bürgersteigen rum, man wird nicht angequatscht – es hat sich hier in einem Jahr wirklich einiges verändert - positiv. Allerdings sind sehr viel Polizei und privates Schutzpersonal zu sehen. Und der Ausblick von der Besucherplattform aus dem obersten Stock lohnt wirklich. Etwas eigenartig ist die weihnachtliche Dekoration im großen Einkaufscenter im Erdgeschoss für uns Mitteleuropäer aber schon bei 30 Grad Aussentemperatur.
Auf unserem Weg zum Flughafen machen wir an dem, einem italienischen Schloss nachempfundenen Shopping Centre „Montecasino“ halt, in dem Bars, Restaurants, ein Theater sowie ein grosses Spielkasino und tolle Möglichkeiten, die letzten Rand loszuwerden, vorzufinden sind.
Die Kulisse hier ist unglaublich echt gemacht und man glaubt sich wirklich in einer italienischen Kleinstadt verlaufen zu haben – sogar der Sternenhimmel ist verblüffend authentisch.
Wir entdecken unser Stammlokal in Südafrika – eine Filiale der Spurs Steakhauskette, in der wir schon so oft hervorragend gegessen haben. Ich genehmige mir ein schönes, riesiges "Abschiedssteak", aber ich glaube ich kann jetzt ein halbes Jahr kein Fleisch mehr sehen.
Schnell sind 2 Stunden vorbei und es geht jetzt wirklich zum Flughafen. Werner begleitet uns noch bis zur Abfertigung und nach einem "Abschieds-Draught", an einem der vielen Flughafenbars, für meine wirklich letzten Rand, geht es in den Jumbo-Jet der SAA zurück nach Deutschland.
Der Flug ist, wie bei dieser Gesellschaft fast schon Tradition, schlecht. Essen katastrophal, Stewardessen unfreundlich, enge Platzverhältnisse. Glücklicherweise sind neben uns noch zwei Plätze frei geblieben, so dass Silvia sich hinlegen und wenigstens ein paar Stunden schlafen kann.
Gegen 7.00 Uhr treffen wir in Frankfurt ein und die Reisegruppe zerstreut sich in alle Himmelsrichtungen.
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