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Heute verlassen wir die Ostküste.
Nach mehr als 2.500 Kilometer biegen wir vom Bruce Highway ab auf den Flinders Highway. Die Straße hat ihren Namen von Matthew Flinders, ein Marineoffizier, der in der Zeit von 1801 bis 1803 erstmals den gesamten Kontinent mit dem Schiff umrundete. Er erfasste einen Großteil der Küstenlinie kartographisch und konnte dadurch belegen, dass es sich bei Australien um eine einzige große Landmasse handelte. Bereits 1798 hatte Flinders zusammen mit dem Marinearzt George Bass erstmals Tasmanien umsegelt und so dessen Inselform bewiesen. Flinders Bemühungen ist es außerdem zu verdanken, dass der Kontinent nicht den Namen Neuholland beibehielt, sondern auf seinen Vorschlag hin in Anlehnung an Terra Australis ab 1817 offiziell als Australien bezeichnet wurde. Obwohl die Küsten bereits weitestgehend kartographiert worden waren, besaß man in Europa erst in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts detailliertere Informationen über die wichtigsten geographischen Strukturen im Inland.
In den nächsten Tagen stehen uns zwei der längsten Strecken bevor. Heute fast 700 Kilometer von Townsville, dem sympathischen Städtchen am Pazifik, nach Cloncurry mitten im Outback. Nach rund 140 Kilometer und 1 ½ Stunden erreichen wir Charters Towers (www.charterstowers.qld.gov.au), das im Jahr 2003 zur saubersten Stadt von ganz Queensland gewählt wurde. Aber meiner Meinung nach müsste hier fast jede Stadt prämiert werden – im Gegensatz zu unseren "verdreckten" Städten. Übrigens wird hier die Hundehaltung sehr stark reglementiert. An fast allen Stränden und in allen Parks sind Hunde verboten. Wenn trotzdem ein Hund auf die Straße sch..... und der Halter macht den Haufen nicht weg, hagelt es eine wirklich saftige Strafe. Aber ich habe in 4 Wochen keinen Haufen gesehen! Zu Hund fällt mir auch gleich Katze ein. Wird in Australien überhaupt nicht gerne gesehen. Wildernde Katzen werden gnadenlos verfolgt, da sie den australischen Kleintieren in der Wildnis haushoch überlegen sind und drohen diese auszurotten. Dazu aber später mehr.
Charters Towers, das an eine Westernstadt in den USA erinnert, war früher die zweitgrößte Stadt in Queensland. Vor über einem Jahrhundert auf Gold gebaut ist das Gebiet, das einst eine der reichsten Regionen des Landes war, heute ein lebendiges Museum von großen Hotels, Banken und denkmalgeschützten Gebäuden aus der vorletzten Jahrhundertwende. Hier wohnen übrigens viele australische Rentner, wegen des hervorragenden Klimas, im Sommer nicht zu schwül, im Winter angenehm warm, meist trockene Luft und nur 1 ½ Stunden zum Meer.
Wir passieren die Leichhard Range. Nanu, ein deutscher Name hier in Australien, wo doch fast alles Deutsche nach dem ersten Weltkrieg von der Landkarte "getilgt" wurde. Ein willkommener Anlass für Peter jetzt in den Weiten des Outbacks ein kleines Referat zu halten:
In Australien kennt jeder den Namen des großen deutschen Australienforschers Ludwig Leichhardt. Geographische Objekte, Tiere, Pflanzen, sogar ein Stadtteil Sydneys sind ihm zu Ehren benannt worden. In seiner deutschen Heimat ist der Entdecker, der erst 35-jährig im Innern des fünften Kontinents sein Leben verlor, leider weitgehend unbekannt. Leichhardt wurde 1813 bei Trebatsch (heutiges Brandenburg) geboren. Im Herbst 1841 wanderte er nach Australien aus.
Nach seiner Ankunft in Australien Anfang 1842 begann Leichhardt mit großem Elan und großer Sachkenntnis mit naturwissenschaftlichen Beobachtungen auf dem damals noch weitestgehend unerforschten Kontinent.
Zwischen 1842 und 1844 war er vorwiegend in dem bereits locker besiedelten Gebiet zwischen Sydney und Brisbane und sammelte geologische, botanische und zoologische Informationen und Belege.
Am 1. Oktober 1844 begann er von Jimbour aus (bei Brisbane) seine erste Expedition, die ihn in 14 Monaten über 4800 Kilometer nach Port Essington an der nördlichsten Spitze des Kontinents führte, wo er mit sechs Begleitern am 17. Dezember 1845 eintraf. Leichhardts zweite Expedition, eine geplante Durchquerung des Kontinents von Ost nach West, begonnen im Dezember 1846, endete nach fünf Monaten mit einem Misserfolg. Deshalb brach er am 5. April 1848 von der Viehstation McPherson erneut auf, um dieses Ziel zu erreichen. Seitdem fehlt von ihm und seiner Gruppe jede Spur. Ohne Zweifel kann man Leichhardt als einen der bekanntesten australischen Forscher bezeichnen.
Übrigens überreichte Erich Honecker im Jahr 1988 dem Australischen Staat zum 200. Jahrestag der Landung der ersten weißen Siedler in Australien bei einem Staatsbesuch eine wertvolle Büste von Leichhardt. Diese steht heute nach Auskunft von unserem Reiseleiter Peter jetzt in einer hinteren „Ecke“ des australischen Parlamentes in Canberra.
Die Fahrt geht weiter durch das Outback. Und zu meiner Überraschung – das Outback ist grün! Nach einer der längsten Trockenzeiten in der australischen Geschichte hat es hier lange geregnet. Die Natur explodiert förmlich. Mittagspause in Hughenden. Das Thermometer steigt auf 39 Grad. Die Steakburger im Holdern Cafe für rund 3 € und die gut bürgerliche Küche sind zu empfehlen.
Weiter geht es an Farmen vorbei, die so groß sind wie Belgien. Man muss sich schon fragen, warum man solche Strecken nicht fliegt, wie jeder andere "normale" Tourist. Dieser und die nächsten beide Tage sind üblicherweise mit dem Flugzeug in rund 3 Stunden zu bewältigen. Aber wie soll man sonst das Gefühl für die ungeheueren Entfernungen bekommen oder wie hat Peter am Anfang der Reise gesagt: " Wir begeben uns auf eine Fahrt durch Raum und Zeit".
Am späten Nachmittag steigt das Thermometer auf 43 Grad. Nur kurz darauf kommen wir auf dem Oasis Camping (www.traveldownunder.com.au/Queensland /The_Outback/Cloncurry_Oasis_Caravan_Park.asp) in Cloncurry, einer ehemaligen Bergbaustadt, an, wo einst Kupfer abgebaut wurde. Der Caravanpark ist etwas außerhalb des Ortes gelegen, sehr sauber, mit einem kleinen Schwimmbad. Ich schnalle mir noch einmal die Joggingschuhe an, immer eine nette Gelegenheit sich etwas sportlich zu betätigen. Nach einem Tag, an dem man nur gesessen hat, kann man sich hierbei auch gleich etwas die Gegend ansehen.
Ich glaube, ich habe bei meinen Ausflügen mehr mitbekommen, als die "unangenehme Dame", die neben mir sitzt und mittlerweile den Spitznamen "Salzsäure" hat (weil sie sich überall durchfrisst, allerdings nur, wenn es etwas umsonst gibt – und natürlich, weil sie so "ätzend" ist). Die "Gute" springt bei jedem Halt, wie von der "Tarantel" gestochen, meist noch vor Peter, aus dem Bus und hat im „Kasernenschritt“ alles abgegrast und fotografiert, was ihr unterkommt, um dann später im Bus zu prahlen, was sie alles gesehen hat und wir natürlich verpasst haben. Ätzend passt glaube ich ganz gut zu ihr.
Bei rund 40 Grad geht’s hinaus in die Wildnis. Peter ruft mir noch nach, dass ich auf Schlangen aufpassen soll. Was soll's die giftigsten Schlangen der Welt sind zwar alle in Australien heimisch, aber ich bewege mich ja so "schnell", dass mir wohl nichts passieren kann.
Nur wenige Meter hinterm Campingplatz beginnt dass wahre Outback. Es ist absolut leise, kein Ton ist mehr zu hören, nur noch das Gekreische der Kakadus und der Schwärme von Wellensittichen in der Ferne, die unser Rotel belagern. Die Landschaft ist umwerfend. Große schwarze Felsbrocken liegen auf der rotbraunen Erde, die uns noch die nächsten 5.000 Kilometer begleiten wird, man läuft wie in Trance.
Wastl hat uns wieder einmal ein echt bayerisches Essen zubereitet: Presssack mit Zwiebeln, frischer Salat, Nudelsuppe und Birne zum Nachtisch. Nach einem Gewitter am späten Abend wird die Nacht barbarisch heiß und schwül. Fast keiner kann schlafen. Einige schleppen sogar ihre Matratzen raus und schlafen im Freien. Das ist ehrlich gesagt der große Nachteil bei Rotel. Bei solchen Temperaturen hältst du es nachts nicht mehr in der Kabine aus, da läuft der Schweiß die ganze Nacht am Körper runter.
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