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Eine Rotelreise „beschert“ einem einen tiefen und festen Schlaf.
Wenn ich in etwas abgewandelter Form das Zitat von Hamp van Weyden aus dem Film „Seewolf“ zitieren darf. Im Film erlangte er während der Fahrt auf der "Ghost", dem Schiff des bestialischen Wolf Larsen, diese Gabe, aber mir geht es fast genauso. Zuhause drehe ich mich oft ruhelos im Bett rum – hier im Rotel fällst du jede Nacht in einen todesähnlichen Schlaf. Ging übrigens den meisten Mitreisenden so – erklären konnte es keiner!
Die Reise geht jetzt endlich los. Es geht Richtung Norden entlang der Ostküste auf dem Highway Nr. 1, der rund um Australien führt. Wir brauchen endlose 1 1/2 Stunde bis wir die Stadt richtig verlassen haben. Die Außenbezirke erstrecken sich fast bis 90 Kilometer vom Rande der City ins Landesinnere. Entlang der Olympiaanlage des Jahres 2000 durchfahren wir endlose Eukalyptuswälder.
Und hier macht sich schon die wichtigste Eigenschaft bemerkbar, die man auf dieser Reise haben muss – Geduld. Die Strecke entlang der Ostküste führt leider sehr weit ins Landesinnere, mit wenig Abwechslung, meist weit weg von der Küste. Nur Bäume, Bäume...... man muss sich schon etwas beschäftigen, wie Lesen oder Musik hören.
Glücklicherweise haben wir einen wahren Entertainer als Reiseleiter erwischt. Peter, gebürtiger Bayerwaldler - ein Urvieh. Bei der Firma Rotel schon mehr als 25 Jahre, ein Mann, der die Welt gesehen hat. Peter überspielt die endlos, langen Passagen hier an der Ostküste und später auch im Outback mit spannenden Geschichten aus seinem erlebnisreichen Leben oder Australien. Mit einer Stimmlage und einem Akzent, welche dem von Arnold Schwarzenegger verblüffend ähnelt, lässt er die Fahrt nicht langweilig werden. Obwohl Silvia, meine Frau, behauptet, seine Stimme wäre so schön beruhigend, dass sie prima dabei einschlafen kann!
Mittagspause in Talle, einem kleinen Nest an der Küste, schön gelegen an flachen Lagunen und endlos langen Stränden. Die Gegend erinnert mich ein wenig an die Wildcoast in Südafrika. Nach weiteren 4 Stunden Fahrt kommen wir auf dem Lakeside Caravan Park (http://lakesidecaravanpark.com.au) rund 25 Kilometer nördlich von Coffs Harbour (www.chcc.nsw.gov.au/www/default.asp?casid=2) an. Das muss noch ein echter Geheimtipp sein, abgelegen und schwer zu finden, nur wenige Meter vom Meer entfernt mit einem riesigen Strand. Viele Dauercamper, sehr sauber alles. Kaum ausgestiegen sehen wir auch schon die ersten Wale am Strand vorbeiziehen. Klasse. Glück gehabt.
Der Aufbau des Rotels wird von den einheimischen Australiern mit großem Interesse begleitet. Das Volk hier ist selbst eine begeisterte Camping-Nation, aber die Ausmaße und die Konzeption des Rotels lässt sie mit offenem Mund staunen. Eines merkt man schon nach wenigen Tagen in Australien; die Leute sind unheimlich freundlich, hilfsbereit und nett. Jeder grüßt und fragt, wie es einem geht – da ist man als "zugeknöpfter" Deutscher zunächst einmal verwirrt und "stolpert" etwas bei deren Tempo Konversation aufzunehmen.
Das Abendessen wird zusehends besser. Sebastian unser Fahrer und Koch "kredenzt" Avocadocreme, Paprikawurst und Broccolisuppe. Wastl, wie er von uns genannt wird, stammt auch aus dem Bayerischen Wald, Mitte vierzig, und fährt schon zehn Jahre für Rotel hier in Australien und Neuseeland. Die Firma Rotel ist im strukturarmen Bayerischen Wald übrigens kein unbedeutender Arbeitgeber. Der Großteil der Reiseleiter und Fahrer stammt von dort, Leute, welche die entlegenste Gegend Deutschlands mit einem Leben auf Achse in der ganzen Welt getauscht haben.
Der Abend wir heute etwas länger. Storys über Rotelreisen in der ganzen Welt werden "zum Besten gegeben". Über Reiseleiter, die schon Legende sind und unter mysteriösen Umständen in Südindien ertrunken sind. Oder vom Reisegast, der auf der unendlich langen Rotel 50 Tage-Tour durch Australien nach 40 Tagen nach Hause geschickt wurde. Der gute Mann, ehemaliger Mathematiklehrer und wohlgebildet, lehnte es partout ab sich zu waschen. Auch von Überfällen auf das Rotel in Mittelamerika wurde berichtet.
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